Zum Beispiel: Der Umgang mit Alk

Langsam begebe ich mich zurück in sichere Gewässer, doch noch ist es eine Art geistiges Rückzugsgefecht, das ich hier mit mir selber austrage. Das Schreiben der vergangenen Wochen hat in mir viele Gesichter und viele Geschichten wieder aufsteigen lassen. Die vielen wunderbaren Pfadfinderlager mit «meiner» Pfadi St.Otmar zwischen den Jahren 1982 und 1992 etwa, die unzähligen J+S-Leiterkurse und noch viel verrücktere Dinge wie Wanderwochen am Rande der physischen Belastbarkeit, dies aber immer mit völlig Freiwilligen, die wussten, auf was sie sich einliessen. Wenn ich mir auch nicht so sicher bin, ob zumindest Walter und Renato Cariddi dies wussten, als sie sich für eine der Bleniotal-Wanderwochen anmeldeten, und Walter mich im Aufstieg von der Talsohle hinauf zur Bassa di Nara, also nach geschätzten 1400m Höhenmetern, fragte, warum es in der Schweiz immer hinauf und hinab gehe. Die Cariddis stammten aus Puglia – verständlich also diese Frage!

Ein Punkt ist es, der mir in der Rückbetrachtung zur Causa Jegge besonders bleibt. Er stieg nochmals auf in einem Nachtessen mit den Eltern zweier ehemaliger Pfadleiter anfangs der Woche. Die beiden haben übrigens beste Karrieren gemacht, der eine ist hochdekorierter Chemiker in der Pharmaindustrie, der andere nun Kirchenpräsident der Stadt St.Gallen. Nun erzählte mir die Mutter, dass sich einst ihr Sohn, als sie ihm erklärte, er könne an Sonn- und Festtagen nun auch ein Glas Wein mittrinken, weigerte mit der Begründung, bei mir in der Pfadi gebe es vor 18 Jahren nichts davon.

Das scheint mir auch heute noch die korrekte Distanz zu sein zwischen Erziehungsverantwortlichen und Minderjährigen. Ich bevorzugte und bevorzuge, dass ich nicht geduzt werde und dass so der Autoritäts-Abstand bleibt, und dass kein Alkohol im Spiel ist. Übrigens: Wenn sie dann 18 Jahre alt waren, verwaltete ich in den Sommerlagern den Fiasco Chianti zwischen meinen Füssen…

 

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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