Martin Buber und die Palästinenser

Eines ist klar: Die Juden sind – wie die Päpste in den letzten Jahrzehnten oft betont haben – die «älteren Brüder der Christen». Trotzdem darf und muss man die Politik des Staates Israel kritisieren – und vor allem sich für die Zwei-Staaten-Lösung einsetzen.

Es wurde hierzulande kaum zur Kenntnis genommen, dass Ende Januar der abtretende US-Aussenminister Kerry betont hat, Israel könne als Staat nur in Form dieser Lösung bewahrt werden. Nun aber diffamiert die Israel-Lobby alle als Anti-Semiten, welche kritisieren, dass Israel mit seiner Siedlungspolitik alles tut, um einem zweiten, dem palästinensischen Staat buchstäblich den Boden unter den Füssen zu entziehen.

Es ist erfreulich, dass es immer wieder besorgte Juden gab und sie immer noch gibt, welche Gerechtigkeit für die Palästinenser fordern. Bei der erneuten Lektüre eines Buches des kürzlich verstorbenen Kurt Marti stiess ich auf eine solche, sehr prominente Stimme. Demnach hat schon in den 1920er-Jahren (!) Martin Buber die Zionisten beschworen, die in Palästina lebenden Araber in den Aufbau des Landes als gleichwertige Partner einzubeziehen, ihre Recht zu respektieren und keinen Nationalismus aufkommen zu lassen: «In einem gerechten Bund mit dem arabischen Volk wollen wir die gemeinsame Wohnstätte zu einem wirtschaftlich und kulturell blühenden Gemeinwesen machen, dessen Ausbau jedem seiner nationalen Glieder eine ungestörte autonome Entwicklung sichert.» (Rede auf dem 12. Zionistenkongress, 1921).

Marti meint zu Recht, wenn diese Stimme gehört worden wäre, sähe der Nahe Osten heute ganz anders aus.

Übrigens: Buber starb resigniert in Jerusalem.

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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