Welt-Auffuehrung «PASSION» 1. Einzug

Wie die Auto-Industrie ihren Salon hat und der Buchhandeln seine Messe, die Kompanien ihre GV’s und die Doerfer ihre Jahrmaerkte, so hat die
Kath. Kirche ihre «Passionswoche» um allen, der weiten Oeffentlichkeit gut konzentriert zu zeigen, was denn eigentlich die christliche Botschaft ist.

Am Beginn ist die Entscheidung in den Zeit-Raum Gottes einzutreten.

Die Passionswoche, die grosse Heils-Darstellung, beginnt mit dem Palm-Sonntag, der eine Einzugs-Prozession zeigt: ein bewusstes Hineingehen ins geahnte Risiko, ins unbekannte Abenteuer. Jedes Sakrament ist ein Hineingehen – wie in jeder Eucharistie ein Einzug stattfindet. Die Leute stroemen in die Kirche ihren Plaetzen zu, die Vereine tanzen in die Kirche hinein und der Priester + Co marschieren durch den Leute-Spalier in den Chorraum… aehnlich wie einst Jesus und seine Bewunderer in Jerusalem einziehen.

Der Einzug zeigt die reale Praesentation des persoenlichen Entscheids: wir gehen das risikohafte Abenteuer ernstlich ein – durch das kommende Ereignis, den bevorstehenden Zeitraum, verwandelt, begeistert, erneuert, veraendert zu werden. Wer nicht hineingeht verpasst seine anstehende Veraenderung, wer es wagt hineinzugehen oeffent fuer sich eine reale Chance verwandelt zu werden. Der Einzug beansprucht mitbestimmende Gegenwart im Zukuenftigen. Der Einzug provoziert Fragen: wohin gehen die Einziehenden, was erwarten sie und was wird mit ihnen geschehen? wer sind sie ueberhaupt und was beanspruchen sie demnaechst? Der Einzug demonstriert: wir sind entschlossen und offen fuer das Bevorstehende. Der Einzug akzeptiert einen besonderen Raum als Ereigniskulisse. Der Einzug ist gleichsam ein Beginn: ein Zeitraum, ein Ereignis oeffnet sich fuer dich und fuer alle.
Die Einziehenden haben Ahnungen, sie wissen viel ueber das bevor- stehende Ereignis; sie pflegen Vermutungen – aber ob sie das Ereignis im Griff haben ist ungewiss, die Atmosphaere der Erwartung ist nicht abgesichert; auch die Enttaeuschung ist nicht ausgeschlossen…  das geplante Gelingen nicht garantiert. Und einige «ziehen ein» sehr der Gewohnheit gemaess, dass sie nicht einmal mehr ahnen was geschehen koennte.

Der Mensch ist zuerst immer ein Einziehender: in den Schoss der Mutter, ans Licht der Welt, auf den Weg in die Fuelle des Lebens. Wer einzieht zeigt Beduerftigkeit aber auch Hoffnung und Mut. Wir ueberlassen die Einziehenden ihrem Vertrauen.

Hans Leu

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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