Schon während des Konzils beginnt seine Rezeptionsgeschichte. Wenige Wochen nach dem Ende der zweiten Konzilssession erscheint Hans Küngs Buch «Kirche im Konzil» in der zweiten Auflage – und neu mit einem Kapitel über die Ergebnisse der zweiten Session. Küng erinnert an die grosse Programmrede von Paul VI. zu Beginn. Der Weg Johannes XXIII. würde fortgeführt werden, so das wichtige Signal nach dem Papstwechsel. Dann fügt Küng an, dass das Konzil von Paul VI. «theologisch tiefgründig als Repräsentation der Kirche» gesehen werde. Hier denkt Küng sicher auch an seine eigene 1962 publizierte Idee, in der er die Kirche als ökumenisches Konzil aus göttlicher Berufung charakterisierte (Hans Küng, Strukturen der Kirche 1962, 19-24).
Auf jeden Fall weist das Konzil schon hier über die eigenen Grenzen hinaus. Es lässt sich schon 1963/64 nicht mehr nur als eine vorübergehende Ausnahmeerscheinung fassen. Die ganze Kirche ist in den konziliaren Prozess eingetreten.
Dass es dabei nicht einfach um eine bloss äusserliche Reformdebatte geht, macht Küng ebenfalls deutlich. Das Konzil bedürfe einer Orientierung an Christus. Küng bezieht sich wieder auf Paul VI.: «In einer Deutlichkeit, wie sie von keinem Papst nach der Reformation zum Ausdruck gebracht worden war, hat Paul VI. Christus als Ausgang, Weg und Ziel des Konzils, der Kirche, ans Licht gestellt. […] Von diesem christozentrischen Ansatzpunkt her wurden dem Konzil folgende vier Hauptaufgaben gestellt: 1. Vertiefung des Selbstverständnisses der Kirche, 2. Die Erneuerung der Kirche, 3. Die Wiederherstellung der Einheit zwischen allen Christen, 4. Das Gespräch der Kirche mit den Menschen unserer Zeit.»
(ab; Kü 231)
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