Weihrauch im Altersheim

Vorgestern rief P. mich an, jemand im Altersheim wünsche meinen Besuch. P. war früher Religionslehrer und in unserer Pfarrei schon in allen möglichen Feldern engagiert während vieler Jahre. Immer mehr ist er in die Rolle des Altersheimseelsorgers hineingewachsen. Er besucht die Menschen, hält Wortgottesfeiern, bringt Krankenkommunion und hat auch schon Sterbende begleitet, wenn sie es wünschten. Erstaunt frage ich P., warum denn mein Besuch erwünscht sei, ein Besuch von mir hätte ja keinen «Mehr-Wert» ihm gegenüber. Wenn es um Sakramente ginge, Beichte oder so, da wäre ja der Pfarrer zuständig. P. meinte, da unser Pfarrer ja in den Ferien sei, solle ich gehen und mit diesem Menschen beten. Mein Gebet und meine Aufmerksamkeit würden ihn sicher stärken. Auch er würde weiterhin vorbeischauen und auch die Kommunion bringen. So ging ich gestern vorbei und fand einen sehr sympathischen Menschen, der vor dem Einschlafen von heftigen Angstzuständen gequält wird. Die Medizin kann ausser starken Schlafmitteln im Moment nicht helfen. Wir beteten miteinander, ich legte ihm die Hände auf zum Segen. Dann meinte er etwas unsicher, dass es doch früher einen Kapuziner gegeben habe, den man rufen konnte, wenn es um «Teufelchen» ging – schnell korrigierte er sich: «Entschuldigen Sie, ich weiss, das Wort «Teufel» darf man heute nicht mehr sagen…» Ich fragte ihn, ob unser Pfarrer nach den Ferien vorbeikommen solle und das Zimmer segnen mit Weihrauch und Weihwasser, das wäre schon möglich und er täte es gern. Verlegen schaute er mich an und fragte: «Können Sie das denn nicht tun?»

Der zweite Besuch

Ich versprach ihm, abzuklären, ob ich im Altersheim Weihrauch benutzen dürfe und heute wiederzukommen. Der Leiter des Hauses war sofort bereit, mit dem Hauswart eine Lösung zu finden wegen der Rauchmelder. In der Sakristei fand ich «Rosen-Weihrauch» vor, den ich sehr passend fand. Und so besuchte ich den Herrn heute wieder, mit Weihrauch, Weihwasser, Albe und Benedictionale ausgestattet. Der Hauswart hatte eine Haube über den Rauchmelder gestülpt, dass keine Gefahr drohte, die Feuerwehr zu alarmieren. Und so beteten wir wieder gemeinsam. Die Worte des weisen Simeon aus dem Lukas-Evangelium «Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden» haben in diesem Kontext eine besondere Dichte bekommen. Der Rosen-Rauch duftete wundervoll. Der Bewohner hatte Tränen in den Augen vor Dankbarkeit. Ich hoffe und bete, dass der Rosenduft heute abend noch in seiner Bettwäsche wahrnehmbar ist, auf dass er gut einschlafen könne. Das alte Gute Nacht Lied kam uns dazu in den Sinn:

Guten Abend, gut’ Nacht,
mit Rosen bedacht,
mit Näglein besteckt,
schlupf unter die Deck:
Morgen früh, wenn Gott will,
wirst du wieder geweckt.

Und ich hoffe, die Weihwasserflecken an der Decke und der Tapete trocknen gut, ohne Spuren zu hinterlassen….

 

Bettina Flick

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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