In seinem Rückblick auf die zweite Sitzungsperiode reflektiert Joseph Ratzinger auf das erheblich überarbeitete Kirchenschema, das er jenseits eines «unrealistischen Perfektionismus» doch «in der Hauptsache als eine gute Arbeit» bezeichnet. Als eines der beiden Leitmotive, die das neue Schema prägen, «wäre wohl das Verlangen zu nennen, die Kirche möge weniger statisch und mehr in der lebendigen Bewegung ihrer Geschichte gesehen werden, ‹heilsgeschichtlich›, wie die Theologie heute gerne sagt. Es ging um die Einsicht, dass Kirche nicht eine fertig abgeschlossene Grösse ist, die ein für alle Mal definiert ist und dann sozusagen über Zeit und Raum steht, sondern dass Kirche ihrem Wesen nach unterwegs bleibt, dass sie die Geschichte Gottes mit den Menschen darstellt. Jenes Gottes, der sich von Adam und Abel an auf den Weg nach den Menschen gemacht hat, der im Ereignis des Bundes mit ihnen durch die Geschichte geht. So sollte eine lebendige Sicht von Kirche gezeichnet werden, die, niemals fertig, Wanderschaft der Menschheit mit dem und zu dem sie rufenden Gott ist.»
(mq; Zitate aus: Joseph Ratzinger, Das Konzil auf dem Weg. Rückblick auf die zweite Sitzungsperiode des Zweiten Vatikanischen Konzils, in: ders., Gesammelte Schriften. Band 7/1. Zur Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils. Formulierung – Vermittlung – Deutung. Erster Teilband. Freiburg: Herder, 2012, 359-410, 375).
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