Arbeit für das Reich Gottes im Diesseits und Hoffnung auf das Jenseits gehören zusammen. Eine Sonntagspredigt (etwas spät gepostet; sorry):
Ich erinnere mich noch gut an das Wort meines Vaters: «Es geht niemand nur auf einem Bein, ausser ein lahmes Huhn.» Er sagte dies, wenn er jemanden dazu bringen wollte, noch ein zweites Glas «Kaffi fertig» mit selbst gebranntem Träsch zu trinken.» Ich werde Ihnen bald erklären, warum mir die Aussage meines Vaters bei der Vorbereitung der heutigen Predigt wieder einfiel.
Zuerst aber ein kurzer Blick auf das heutige lange Evangelium. Dieses lässt sich zusammenfassen mit der prägnanten Aussage: «Gott ist stärker als der Tod.» Darin gründet unsere Hoffnung auf die Auferstehung: die Zuversicht, dass nach dem Tod ein ewiges Leben auf uns wartet.
Diese Hoffnung ist wirklich schön und gut. Doch sie hat einen Haken. Im Verlaufe der Kirchengeschichte trat die Vorstellung eines jenseitigen Lebens so in den Vordergrund, dass das jetzige, diesseitige Leben abgewertet wurde. Abgewertet wurde ebenso unsere Erde. Für viele war sie nur ein Jammertal: und ein Übergangsort, der keine grosse Bedeutung hatte.
Als Reaktion darauf kam in den wilden 1968er-Jahren das Motto auf: «Es gibt ein Leben vor dem Tod.»
Nun trat diese Einsicht so sehr in den Vordergrund, dass die andere Seite – das Leben nach dem Tod, vielfach verdrängt wurde. Sogar Theologen machen dabei mit. Ich erlebte dies gerade vor einer Woche: Ein Prediger – er ist nicht katholisch – sprach über das Reich Gottes, das nach einem Wort Jesu «mitten unter uns ist»; also mitten in unserer Welt. Der Prediger betonte dann: Es gibt kein anderes Reich Gottes, nur dieses hier.
Hier kommt das Wort meines Vaters ins Spiel: «Es geht niemand nur auf einem Bein, ausser ein lahmes Huhn.» Im Klartext:
In beiden Fällen besteht die Gefahr, dass der Glaube allmählich abstirbt. Denn:
Darum: Ein Mensch in der Nachfolge Jesu geht auf beiden Beinen.
Schauen wir noch kurz diese beiden Seiten unseres Glaubens miteinander an.
Zuerst die diesseitige, weltzugewandte:
In wenigen Wochen, an Christi Himmelfahrt, hören wir wieder einmal die Geschichte der Jünger Jesu, die ihm nach seiner Himmelfahrt wie gelähmt nachschauen. Ein Engel kommt und stellt ihnen die vorwurfsvolle Frage: «Ihr Männer von Galliläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel?» Kurz vorher hatte Jesus ihnen aufgetragen: «Ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.»
Es ist somit klar: Diese Erde ist das Arbeitsfeld der Jüngerinnen und Jünger Jesu – und somit der Ort, wo auch unser Glaube sich bewähren muss. Darum: Weltflucht dürfen wir uns nicht leisten – auch wenn wir in den Geschäften dieser Welt nicht völlig aufgehen dürfen.
Hier, in unserer Welt müssen, dürfen und können wir als Mitarbeiter/innen Gottes einen Beitrag leisten am Aufbau seines Reiches: des Reiches von Frieden, Gerechtigkeit und Verantwortung gegenüber der Schöpfung, die er uns anvertraut hat.
Und nun die zweite Seite unseres Glaubens: den Blick zum offenen Himmel.
Auf der Internet-Seite des Klosters Einsiedeln zum heutigen Evangelium ist zu lesen:
«Zum gesunden Menschen gehört der Lebenswille. Doch das biologische Leben hat seine Grenzen. Die Botschaft der Kirche lautet: Jesus sprengt die Kerkermauern des Todes und öffnet den Zugang zu einem anderen Leben.»
Der Blick auf ein anderes Leben ist ein Geschenk – wenn er nicht eine blosse Vertröstung ist, die vom Engagement auf dieser Welt ablenkt. (….)
Ganz zum Schluss nur noch dieses: Seien wir keine einbeinigen Hühner. Gehen wir auf beiden Beinen durch die Welt. Lieben wir die Erde. Und lieben wir den Himmel.
Elisabethenheim Luzern: Sa 16.30; Kloster St. Klara, Stans: So 9.30; Pflegheim Nägeligasse Stans, So 10.40
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/ein-gesunder-glaube-geht-auf-zwei-beinen/