Niklaus von Flüe und die Reformation

Morgen Samstag, am 1. April 2017, findet in Zug ein besonderes Ereignis statt: Unter dem Stichwort «Gemeinsam zur Mitte» – gemeint ist gemäss dem Radbild von Bruder Klaus Christus, das Zentrum unseres Glaubens – besinnen sich Repräsentanten und Gläubige katholischer und reformierter Konfession auf das Gemeinsame ihres christlichen Glaubens und ihres kirchlichen Auftrags. Höhepunkt ist der gemeinsame ökumenische Gottesdienst, wo auch die Uraufführung der Kantate «Gemeinsam zur Mitte» von Erwin Mattmann stattfinden wird. Die Initiative zu diesem Tag geht vom reformierten Pfarrer und Bruderklausen-Kenner Fritz Gloor aus, dem hier dafür herzlich gedankt sei!

Bereits am Morgen spricht der Historiker Jo Lang über «Nimm alles von mir, was mich hindert zu dir. Was Bruder Klaus und die Reformation verbindet». Der Referent erwähnt in seinem Vortrag ein Zitat vom Zwingli-Nachfolger Heinrich Bullinger, das sehr schön aufzeigt, was die Schweizer Reformatoren aus dem Brunnen von Bruder Klaus geschöpft haben:

«Wenn ihr (…) erkennt, in welchem Lustgarten und Paradiese ihr sitzt und wie sehr ihr in mir einen gütigen Gott habt, so werdet ihr in eurem Land bleiben, wie euch auch mein Diener, Bruder Klaus, riet: <Ihr sollt arbeiten, umsichtig sein und euch in allem, mit Essen, Trinken und Kleidung stets verhalten wie eure Väter.> Die aber wussten nichts von goldenen Ringen, und Ketten, ebenso wenig von goldenen oder seidenen Tüchern, von Kapuzenmänteln und fremdländischen Trachten. Sie wussten auch nichts von ausländischen Weinen, Leckereien oder ausgesuchten Speisen. Aber sie lebten anständig und hatten genug, sie waren bescheiden und dennoch Ehrenleute: Vor ihrer Freigebigkeit und Gastfreundschaft berichten alle Fremden. Seid daher auch bescheiden, anständig, ehrlich, tugendhaft, umsichtig, barmherzig, fleissig und gottesfürchtig!»

Ergänzend zu diesem Zitat, das ein Beleg für die grosse Bedeutung von Niklaus von Flüe für die Reformierten der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts ist, sei angefügt, dass die Bruder-Klaus-Verehrung in Deutschland bis ins 20. Jahrhundert hinein weitgehend eine Angelegenheit der lutherischen Kirchen war. So zog Pirmin Meier zurecht das Fazit, dass ohne Bruder Klaus die Tiefenstruktur des Protestantismus möglicherweise nicht zu verstehen sei. Der enge Bezug des Protestantismus zu Niklaus von Flüe, der in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts unmittelbar nach den Schweizer Reformationen evident war, wurde erst ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts durch die katholische Reform verdeckt, die Bruder Klaus gewissermassen auf ihre Seite ziehen konnte.

Heute sind solche Frontstellungen obsolet geworden, und es geht angesichts der Gottesvergessenheit in unserer postmodernen Gesellschaft darum, Niklaus von Flüe gemeinsam wieder mehr in den Vordergrund zu stellen: um «Gemeinsam zur Mitte» gehen zu können, auf Christus hin, so wie Niklaus von Flüe uns dies exemplarisch vorgelebt hat.

Urban Fink-Wagner, Inländische Mission

Literatur: Gloor (2017). Zum Programm der Feier in Zug: http://www.mehr-ranft.ch/news/gemeinsam-zur-mitte-nationaler-oekumenischer-gedenk-und-feiertag/

Bruder Klaus und Gefährten

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

https://www.blogs-kath.ch/niklaus-von-fluee-und-die-reformation/