Das Konzil verkürzen heisst eine postkonziliare Verkehrung riskieren: So lautet zugespitzt die Sorge des Bischofs von Graz-Seckau Josef Schoiswohl angesichts der rigorosen Auffassungen Kardinal Julius Döpfners über den weiteren Konzilsverlauf (der sog. Döpfner-Plan). Entsprechend deutlich fällt der Brief aus, den er Döpfner am 6. Februar 1964 schreibt.
«Es ist durchaus verständlich, wenn die Konzilsväter mit der 3. Periode das Konzil gerne beschliessen möchten, doch fürchte ich, dass bei dem Umfang der noch zu behandelnden Materie dann genau umso mehr das herauskommt, was manche Pessimisten vor Beginn des Konzils befürchteten, nämlich, dass wir nur über vorgelegte Prinzipien abstimmen, ohne dazu recht Stellung nehmen zu können. Leider haben die Prinzipien in sich, dass sie oft die Gestalt von Gemeinplätzen annehmen. Dazu kann man Ja sagen, ohne dass wirklich etwas Wesentliches getroffen ist. Umso mehr wird sich dann die römische Kurie in der postkonziliaren Arbeit darauf stürzen, eine Flut von neuen Erlässen und Weisungen herauszubringen, die zu guter Letzt einen grösseren Dirigismus bewirken, als er bisher schon bestanden hat. Das hiesse aber, das Konzil um seinen eigenen Sinn zu bringen».
Schoiswohl schlägt darum ein anderes Vorgehen vor: in der dritten Konzilsperiode sollten Abstimmungen über die in der zweiten Session diskutierten Schemata sowie Debatten über die noch ausstehenden Schemata stattfinden. Die Abstimmung über die in der dritten Session behandelten Themen könne aber nicht dann schon stattfinden, sondern wäre auf eine vierte Session zu verschieben.
Ausserdem könne die vierte Session dazu dienen, Einzelheiten über die geplanten Direktorien zu beraten, «die dann als Richtlinien für die postkonziliare Arbeit an die Kommissionen gegeben werden. […] Ich meine, dass hier nun tatsächlich einige grundlegende Gesichtspunkte gefasst werden müssen, auf Grund deren dann nationale und territoriale Bischofskollegien die für dieses Gebiet erforderlichen Direktorien erlassen können» (Dö 559).
(emf)
Konzilsblogteam
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/das-hiesse-das-konzil-um-seinen-eigenen-sinn-zu-bringen/