Bruder Klaus und Ave Maria

Schon seit dem 7. Jahrhundert feiert die Kirche jeweils am 25. März das Hochfest Verkündigung des Herrn oder, wie es früher genannt wurde, Mariä Verkündigung. Für uns Gelegenheit, einen ersten Blick auf Niklaus von Flüe als Marienverehrer zu werfen. Er scheint nach den Quellen zu urteilen zeittypisch selbstverständlich ein Verehrer der Gottesmutter gewesen zu sein, dabei aber ein ganz und gar «orthodoxes» Marienbild gehabt zu haben. Seine Kapelle lässt er 1469 neben anderen Heiligen (dazu später) vorab ihr weihen. Seine Korrespondenz aus dem Ranft trägt sein Siegel, in das er die Gottesmutter mit Kind gravieren lässt. Die Mutter Gottes ist ihm immer wieder tröstende Zuflucht in mancher Bedrängnis.

Insgesamt aber ist seine Spiritualität theozentrisch. Der Gehalt des alten Festes Annuntiatio und dessen Darstellung im Betrachtungsbild ist beispielhaft für die Einordung Mariens in die Theologie Bruder Klausens: Sie ist auf Christus hin geordnet.

Die Menschwerdung des Wortes bedarf der freien Zustimmung Marias. Der in Lk 1,26–38 geschilderte Gruss an Maria ist die Frohe Botschaft, die allen gilt. Alle sollen durch Wort und Geist Kinder Gottes werden.

Seit dem 14. Jahrhundert verbreitet ist das daraus hervor gegangene Angelus-Gebet, das Klaus bestimmt kannte. Es strukturiert mit dem dazu gehörigen Geläut Tagesbeginn, Zenit und Ende des Tagwerks mit einer lukanisch-johannäischen Meditation über die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus: Gott macht sich für das Rettungsprojekt der Welt vom Ja des Menschen abhängig: «Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, und sie empfing vom Heiligen Geist. – Gegrüsst seist du, Maria … – Maria sprach: Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort. – Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.»

Den Rosenkranz kannte Niklaus von Flüe noch nicht. Der kommt eine Generation später. Aber das Repetieren von Ave Marias; das Meditieren der Menschwerdung Gottes in Maria und der Frage nach der je neu geforderten Gottesgeburt in jedem einzelnen Gläubigen war ihm tägliche Übung.

Fr. Peter Spichtig op

Literatur: Durrer, 362; Gröbli (1990), 297 f.; Stirnimann (1981), 283.

Bruder Klaus und Gefährten

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