Zur Vorgeschichte des Treffens in Glion bei Montreux, bei dem zwischen dem 27. und 30. Januar 1964 Vertreter des ÖRK um Lukas Vischer und Mitglieder des Redaktionsteams der späteren Pastoralkonstitution Gaudium et spes um Bischof Guano und Charles Moeller wegweisende Diskussionen führten, gehört ein Brief Vischers an Guano vom 18. April 1963. Otto Hermann Pesch bezeichnet ihn augenzwinkernd als protokollarisch eigentlich eine Frechheit», da er «jeglichen Dienstweg überging». Vischer bescheinigt Pesch nicht weniger augenzwinkernd eine korrekte Darstellung der Ereignisse, wenngleich sie «in einem Punkt», d.h. in der Frage des übergangenen Dienstwegs, «nicht ganz zutreffend» sei: Johannes Willebrands, der Sekretär des Einheitssekretariats, habe «ausdrücklich um Anregungen und Vorschläge für die Arbeit des Konzils gebeten». Nichts anderes sei Ziel des in diesem Sinne völlig korrekt übermittelten Briefs gewesen.
In jedem Fall hatte die Initiative Vischers zur Folge, dass das Thema der «Herrschaft Christi», das bereits seit einigen Jahren im ÖRK diskutiert wurde, im Anschluss an das Treffen in Glion spätestens im Rahmen der 1964 in Zürich erfolgten Überarbeitung der Textentwürfe für die entstehende Pastoralkonstitution zu einem zentralen Gedanken wurde. Vischer selbst legte in diesem Zusammenhang besonderes Gewicht auf die österliche Dimension der «Herrschaft Christi über Kirche und Welt».
(mq; Zitate: Pe 210. 323; Lukas Vischer, Das Konzil als Ereignis in der ökumenischen Bewegung, in: A 5, 573 Anm. 24.; für den Zusammenhang vgl. auch Michael Quisinsky, The ecumenical dynamic of Vatican II – Lukas Vischer between Geneva and Rome, in: Cristianesimo nella Storia 34 (2013), 273-314, 307f.).
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