In der Stadt Zürich steht die weltweit erste Pfarrkirche, die unserem Landespatron, dem hl. Bruder Klaus geweiht worden ist. Nach dem Ersten Weltkrieg setzte im Quartier Unterstrass ein Bauboom ein. Vor allem der Umstand, dass etliche Siedlungen von Genossenschaften für kinderreiche Familien errichtet wurden, liess erahnen, dass sowohl für die reformierte als auch für die römisch-katholische Kirche der Aufbau je einer Kirchgemeinde im Quartier nötig würde. Deshalb kaufte der katholische Kirchenbauverein Liebfrauen am 28. Dezember 1926 das Grundstück, auf dem heute die Kirche Bruder Klaus steht. Unter dem Eindruck des zu Ende gegangenen Weltkrieges sowie der politischen und gesellschaftlichen Tendenzen der 1920er-Jahre wollten die Verantwortlichen die neue Kirche dem Friedensstifter Bruder Klaus weihen. Da dieser zu diesem Zeitpunkt erst selig-, aber noch nicht heiliggesprochen war, durfte dies nur mit ausdrücklicher Bewilligung des Papstes geschehen. Die Schweizer Bischöfe stellten deshalb ein entsprechendes Gesuch, dem Papst Pius XI. im Jahr 1928 stattgab. Die katholische Kirche in Zürich-Unterstrass ist somit weltweit die erste Pfarrkirche, die dem Bruder Klaus geweiht wurde. Kurz zuvor war einzig die Hauskapelle im damaligen Priesterseminar Schöneck der Missionsgesellschaft Bethlehem Immensee in Emmetten (NW) ebenfalls dem Bruder Klaus geweiht worden.
Nach der Grundsteinlegung am 28. März 1932 wurde die Kirche in Zürich im modernen Stil in den Jahren 1932 bis 1933 errichtet. Verantwortlich für den Bau war der erfahrene Zürcher Kirchenarchitekt Anton Higi, der im Verlauf seiner Karriere mehrere Kirchen in der ganzen Schweiz, aber auch das Akademikerhaus der Jesuiten beim Central sowie einen Trakt des Klosters Menzingen realisieren konnte. Am 19. Februar 1933 wurde die Kirche eingeweiht, wobei der Hauptaltar dem Bruder Klaus und Karl Borromäus als Mitpatron der Kirche geweiht wurde. Als nach Ende des Zweiten Weltkrieges Papst Pius XII. Bruder Klaus heiligsprach, weihte der Churer Bischof Christian Caminada wenige Monate später, am 28. September 1947, die Kirche ein zweites Mal dem nun heiligen Bruder Klaus.
Von aussen grüsst Bruder Klaus als überlebensgross gestaltete Statue die Besucher seiner Kirche. Gestaltet wurde das Kunstwerk von Bildhauer Alphons Friedrich Magg. Die Modernität der äusserlich eher unscheinbaren Kirche offenbart sich im Innern: Ohne abgestützt zu werden, spannen sich im Innern die Wände des Mittelschiffs als horizontale Träger von der Orgelempore bis zum Altarraum. Möglich machte dies die Verwendung von Eisenbeton, der jedoch wegen des Wandverputzes verborgen bleibt. Auf der rechten Seite des Altarraumes steht eine Plastik des Künstlers Alois Spichtig, welche den Bruder Klaus darstellt. Im Jahr 2000 schuf Künstler Max Rüedi für die Kirche ein Gemälde, das die bekannte Darstellung der Vision des hl. Bruder Klaus neu interpretiert. Dieses Kunstwerk ist an der Frontwand des linken Seitenschiffs angebracht.
Markus Weber
Literatur: Stadt Zürich, Amt für Städtebau (Hrsg.): Katholische Kirchen der Stadt Zürich. Bestandesverzeichnis Denkmalpflege der Stadt Zürich. Zürich 2014; Maria Rast und Josef Jurt: Die Pfarrei Bruder Klaus Zürich 1933–1983. Zürich 1983; Bischöfliches Ordinariat Chur (Hrsg.): Schematismus des Bistums Chur. Chur 1980; Urban Fink: Bruder Klaus als Patrozinium von Kirchen und Kapellen in der Schweiz, in: Gröbli (2016), 360–372.
Bruder Klaus und Gefährten
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
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