Der fünfte und letzte Terminus ist natürlich auch als Conclusio zu verstehen. Kirche, wenn sie im Hören auf den Religionsgründer und sowohl in ihrer Lehre wie in ihrer Praxis:
– um ihre «Vorläufigkeit» weiss und sich nicht zu wichtig nimmt,
– «anspruchslos» ist im Umgang mit jeder – materiellen und geistigen – Macht,
– eine «dienende» Funktion zugunsten anderer einnimmt,
– und sich «Wahrhaftigkeit» als Prinzip jedes Auftretens und Redens gesetzt hat,
ist dann wirklich auch eine «gehorsame». Gehorsam gegenüber ihm, der gerufen hat und einst zur Rechenschafts-Ablage rufen wird, ihm, der gesät hat und im Acker dieser Kirche eine gute Ernte erwarten darf und ihm, der die Kirchenverantwortlichen als (zwar geliebte) Knechte und Mägde sieht, die aber nichts als ihre Schuldigkeit tun.
So gehört das Ende dieser Betrachtung zu Hans Küngs Einleitungskapitel im Buch «Wahrhaftigkeit» ganz gut zur Fastenzeit. Und wenn ich nun noch eine bescheidene Bitte als Feld-, Wald- und Wiesen-Seelsorger einer Nachbardiözese in Richtung Bischofskongregation (vielleicht auch in Richtung meines Studienkollegen Kurt) äussern darf: Dürfen wir hoffen, dass der nächste Bischof von Chur ein Mann sein wird, der diesen fünf Adjektiven einigermassen gerecht wird?
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant