Zur ökumenischen Gebetswoche: Abkehr von der Rückkehrökumene

Kardinal Ruffini, der zu Anfang der Debatte über die Ökumene gesprochen hatte, ergreift auch an deren Schluss im Dezember 1963 nochmals das Wort (vgl. AS 2/6,339f). Er drückt seinen sehnlichen ökumenischen Wunsch aus, dass die getrennten Brüder, «die wir nicht vergessen können», wiederum die Apostolische und Römische Kirche umfangen. Ökumene ist für ihn Rückkehr-Ökumene.
Andere Konzilsväter äussern sich gegenteilig. So würdigt Bischof Gérard-Maurice Huyghe von Arras ausdrücklich, dass die Verfasser des Textes zur Ökumene das Wort aditus (Zugang) dem Wort reditus (Rückkehr) vorgezogen hätten. Denn es könne nicht darum gehen, in einseitiger Schuldzuweisung für die Spaltungen zu warten, dass die «anderen» zurückkehren. Vielmehr könne die Einheit nur wiederhergestellt werden durch die Bekehrung aller Christen und das gemeinsame Handeln aller Christen (vgl. AS 2/5,753f). Als Heilmittel empfiehlt Huyghe das ökumenische Gebet, die gemeinsame Hilfe für die Armen, die theologische Reflexion und das gemeinsame pastorale Handeln.
Der endgültige Text des Ökumenedekretes verzichtet sowohl auf das Wort aditus als auch auf den Begriff reditus. Obwohl oft kritisiert wurde, dass das Dekret kein Modell der Wiederherstellung der Einheit vorlegt, ist doch eindeutig, dass der Gedanke der Rückkehrökumene beiseitegelegt wird.
(emf)

Konzilsblogteam

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