Worauf verzichten Sie während der Fastenzeit? Oder: «Ein Fasten, wie es dem Herrn gefällt.» (Predigt zum 1. Fastensonntag)

Erlauben Sie mir eine indiskrete Frage: Was haben Sie sich für die Fastenzeit vorgenommen? Worauf wollen Sie verzichten? Keine Angst, ich werde Sie jetzt nicht wie in der Schule abfragen.

Wenn es um Fasten geht, erinnere ich mich, wie wir als Kinder angehalten wurden, «Öpferli» zu bringen. Vor allem sollten wir auf alle Süssigkeiten verzichten. Allerdings: Wir sammelten sie in einer Büchse und assen sie dann fröhlich nachdem die Osterhasen aufgegessen waren.

Dann, im Kloster, so erinnere ich mich, hatten wir vor etlichen Jahren einen Mitbruder, der in der Fastenzeit völlig auf das geliebte Rauchen verzichtete. Wir waren allerdings froh, wenn Ostern war, da dann seine Laune wieder besser wurde …

Ein letztes und aktuelles Beispiel von Verzicht: Es gibt unter Jugendlichen eine Bewegung, die dazu aufruft, während der Fastenzeit auf Handy, Smartphone und ähnliche Geräte zu verzichten. Hier möchte ich kein Allerdings hinzufügen. Solche Verzichte scheinen mir sehr sinnvoll und problemloser als die vorhin genannten.

Dennoch drängt sich mir die Frage auf: Ist das wirklich ein Fasten, das – wie es in der Bibel heisst – «dem Herrn gefällt». Eine deutliche Antwort gibt es Gott im Buch des Propheten Jesaja mit den Worten:

«Das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen.»

Dieses uralte und gleichzeitig sehr moderne Fasten-Konzept hat zwei Eigenschaften:

Es ist sicher ein Verdienst des Fastenopfers und des Hilfswerks «Brot für alle», dass heute ein solches für andere hilfreiches Fasten fast selbstverständlich ist. Sicher, es gibt nach wie vor ein egoistisches Fasten, das darin besteht, weniger zu essen, um abzunehmen. Ja, das kann sicher auch sinnvoll sein. Aber es ist noch nicht das Fasten, «das dem Herrn gefällt».

Was ich vorhin aus dem Buch Jesaja vorgelesen habe, ist ein so grosses Programm, das ein ganzes Leben ausfüllen könnte. Darum scheint mir wichtig, es sozusagen auf den Alltag herunterzubrechen. Diesen Versuch haben in den letzten Tagen zwei Führungsleute des Fastenopfers gemacht.

Da ist der Stiftungsrats-Präsident, unser Bischof Felix Gmür, der gefragt wurde: Welches ist Ihr persönlicher Fastentipp für den Normalbürger während der Fastenzeit?

Felix Gmür antwortete: «Achtsam einkaufen und achtsam essen: Verzicht auf Lebensmittel, die auf Kosten von Umwelt oder Menschen produziert werden.» Der Bischof schlug in diesem Zusammenhang vor, weniger Fleisch zu essen. Wie wir alle wissen: Unser enormer Fleischkonsum ist nur möglich durch Masstierhaltung.

Ich möchte hier nicht Propaganda machen für den Vegetarismus. Zwar bewundere ich Vegetarier, schaffe es aber nicht, ihrem Beispiel nachzufolgen. Aber, wenn ich etwas verraten darf, ohne mich zu rühmen: Ich habe mir vorgenommen, bisweilen nur die Hälfte Fleisch zu essen. Wenn ich zum Beispiel gerne eine ganze Bratwurst hätte, lebe ich nur eine halbe auf den Teller – und schon habe ich für den betreffenden Tag den Fleischkonsum um die Hälfte gesenkt….

Die zweite Stimme aus dem Kreis des Fastenopfers. Lucrezia Meier-Schatz, die Präsidentin des Fastenopfer-Forums gab den Tipp: «Man soll beim Kauf von Produkten auf die Herkunft, auf die Herstellung des Produkts, auf den Inhalt und nicht nur auf den Preis achten. Denn oft entsprechen Tiefpreisprodukte nicht unseren ethischen, menschenrechtlichen und ökologischen Werten.»

Mit andern Worten: Viele fragen zu Recht, ob die Eier von glücklichen Hühnern stammen. Wir sollten auch fragen: Sie die Arbeiter/innen, die zum Beispiel unsere Kleider in Pakistan nähen, glücklich, weil sie genügen verdienen? Oder müssen sie für Hungerlöhne arbeiten und dabei ihre Gesundheit ruinieren?

Was die von Frau Meier-Schatz erwähnten «Tiefpreisprodukte» betr., die ökologische Werte zerstören: Dazu gehören auch viele Flugreise. Ich bin oft entsetzt, wie auch ethisch hochstehende Menschen ganz selbstverständlich auch für kurze Strecken einen Billigflug buchen –weil er billiger ist als eine Bahnfahrt, die vielleicht nicht einmal wesentlich länger dauert.

So meine ich: Die Fastenzeit wäre eine gute Gelegenheit, selbstkritisch unser Reiseverhalten zu analysieren.

Zum Schluss nur noch ganz kurz eine Bemerkung: Vielleicht denken Sie nun, ich hätte eine zu wenig fromme Predigt gehalten. Da mögen Sie recht haben. Aber vergessen wir nicht: Das vorgelesene Bibelzitat handelt nicht von Frömmigkeitsübungen und Glaubenssätzen. Es geht schlicht und einfach um soziales Verhalten. Und daran wird uns ja Jesus beim Jüngsten Gericht fragen ….

Buchrain LU, Sonntag 10 Uhr

 

Walter Ludin

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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