Während des Besuchs Pauls VI. im Heiligen Land war von Rom aus ursprünglich kein Treffen mit dem Ökumenischen Patriarchen Athenagoras vorgesehen; das Treffen war eine Idee des Ökumenischen Patriarchen selbst, der das römische Staatssekretariat ablehnend gegenüberstand. Paul VI. und Kardinal Bea aber nahmen den Vorschlag des Patriarchen gerne auf. Und so kam es am 5. und 6. Januar 1964 zu den beiden Treffen von Paul VI. und dem Ökumenischen Patriarchen, die für die Heilige-Land-Reise am prägendsten waren.
Am 5. Januar 1964 traf erstmals seit 535 Jahren der abendländische Patriarch Paul VI. mit dem Patriarchen des Ostens zusammen. In der Residenz des Apostolischen Delegaten kam es «zu einer herzlichen, langen Umarmung der beiden Patriarchen. Das war mehr als eine spontane Geste, sicher nicht nur ein privates cor ad cor loquitur, aus dem Moment geboren. In dieser Geste begegneten sich zwei Schwesterkirchen, die 900 Jahre getrennt waren» (Er 89). Die beiden Patriarchen setzten sich danach auf zwei gleich hohe Stühle: Paul VI. liess vorgängig den für ihn vorgesehenen erhöhten Sitz entfernen lassen. Das Gespräch wurde mit einem gemeinsamen Vaterunser und der Verpflichtung beschlossen, die Einheit zu suchen und die Differenzen in Wahrheit und Liebe zu untersuchen. Das Geschenk Pauls VI., ein Kelch, bedeutete nicht nur die theologische Anerkennung der Eucharistie der Orthodoxen, sondern auch das Ziel der Ökumene, die volle eucharistische Gemeinschaft, zum Ausdruck.
(ufw; Er 89)
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