Lord of the Dance (1963) – eine frühe kontextuelle Christologie im Spiegel des Konzils

«I danced in the morning when the world was begun, and I danced in the moon and the stars and the sun, and I came down from heaven and I danced on the earth, at Bethlehem I had my birth.» – Wer hat dieses Lied nicht gesungen: in der Jugendmesse, im Klassenzimmer oder am Lagerfeuer? Ein neues geistliches Lied von 1963, das mit dem Konzil im gerade zuende gehenden Jahr Jubiläum feiert. Es beginnt mit einer an Teilhard de Chardin erinnernden, kosmisch erweiterten und inkarnatorisch geerdeten Präexistenzchristologie und erzählt die Jesusgeschichte mit eingängiger Melodie, in zeitgemässer Sprache und mit einer originellen Metaphorik – ganz so, wie es auch die Dokumente des Konzils in ihren vielen narrativen Passagen versuchen (vgl. expl. LG 2-6).
Dem von Sidney Carter getexteten Lied liegt eine traditionelle Shaker-Melodie zugrunde – die Shakers sind eine im 18. Jahrhundert gegründete Freikirche, zu deren geistlichem Kern auch der christliche Tanz gehört. Das Lied arbeitet denn auch mit einer Metapher, die mit diesem musikalischen Kontext eng verknüpft ist und die traditionelle Kirchenkreise damals ähnlich irritierte wie auch das Bild des lachenden Hippie-Jesus von Fred Berger – Jesus als Tänzer, der zu tänzerischer Nachfolge auffordert: «Dance, then, wherever you may be, I am the Lord of the Dance, said he. And I’ll lead you all wherever you may be, and I’ll lead you all in the dance, said he.»
Asiatische Künstler wie Jyoti Sahi oder Nyoman Darsane haben Jesus nach dem Konzil ebenfalls als Tänzer dargestellt – eine interreligiöse Brücke in die Vorstellungswelt ihres eigenen kulturellen Kontextes. Ähnlich weit interpretiert auch Carter sein eigenes Jesusbild – durchaus im Sinne entsprechender Konzilsaussagen (vgl. NA 2): «Er tanzt im Herzen unserer Wirklichkeit. Mit Christus meine ich nicht nur Jesus. Zu anderen Zeiten und an anderen Orten […] mag es andere ‹Lords of the Dance› geben. Jesus aber ist der, den ich zuerst kennengelernt habe und der mir am nächsten steht» (S. Carter).
(Christian Bauer)

Konzilsblogteam

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