Es ist ein inkarnatorisches Kirchenbild, das sich mit dem II. Vatikanischen Konzil Geltung verschafft. Die Konzilsväter treten für das Bild des Volkes Gottes ein, weil und damit es die Kirche als geschichtliche und noch zu vollbringende Grösse, als dynamische statt statische Realität erkennen lässt. Eine Kirche, die auf der Menschwerdung Gottes basiert, kann sich selbst nicht aus der Geschichte fernhalten wollen. Wenn LG 9 schreibt, die Kirche trete «in die menschliche Geschichte» ein, so ist dies geradezu weihnachtlich formuliert. Konzilsväter werden demgegenüber im Kontext der Pastoralkonstitution Gaudium et spes noch erinnern, dass die Kirche sich nicht «von oben» oder «aussen» auf die Geschichte und die Menschheit zubewegt, weil sie schliesslich ein Teil von ihr ist. Jedenfalls aber weist die Sendung der Kirche sie in die Geschichte ein.
In der nachkonziliaren Theologie mahnte Alfons Auer, die inkarnatorisch verfasste Kirche müsse in «verantworteter Zeitgenossenschaft» leben: «Zeitlichkeit und Weltlichkeit sind die gottgewollte Daseinsform auch der Kirche. Sie kann sich nicht auf der Tribüne der Geschichte aufstellen und ihren Heilsauftrag durch moralische Zwischenrufe in die Arena der scheinbar von allen guten Geistern verlassenen Zeitgenossenschaft abgelten. Sie muss zu allererst selbst zeitgenössisch werden, muss in Fleisch und Geist der jeweiligen Gegenwart eingehen, sonst kann sie die ihr aufgetragene Botschaft nicht für die Menschen auslegen, die sie erreichen soll».
(emf; Zitat aus Alfons Auer: Verantwortete Zeitgenossenschaft. In: Weltoffene Katholizität. Von der Notwendigkeit und Kultur des Dialogs. Stuttgart: Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart, 1985, 99-112, 108)
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