Helder Camaras besorgter und trauriger Brief zum Abschluss der Zweiten Sit­zungsperiode (1 von 4)

Zum Abschluss der zweiten Sitzungsperiode schrieb Dom Helder Camara am 4./5. Dezember 1963 einen längeren Brief an die geliebte Familie von São Joaquim. Darin bringt Camara seine Sorge um Paul VI. zum Ausdruck und gleichzeitig gibt er einen Einblick in das, was ihn im Herzen bewegt.
«Die feierliche Abschlusssitzung wurde durch eine längere Vigil und eine stärkere Messe vorbereitet. Wir sind zur Basilika aufgebrochen. Durch die Bronzetür traten wir ein, durchschritten Museen (Gemälde, Skulpturen, Archäologie), die Sixtinische Kapelle … Als wir in Sankt Peter einbogen, genau auf der Höhe der Kolossalstatue von Konstantin auf dem Pferd …
Wer hat gesagt, die Ära Konstantins sei beendet? Während der ganzen Zeremonie – das schien wie ein Albtraum – sah und hörte ich beinahe das steinerne Pferd im Galopp die Basilika durchqueren, das den König trug. Der Arme wurde zu einem traurigen Symbol einer Geschichte, die wir als vergangene wähnten, die jedoch immer noch sehr lebendig war …
Es gab grosse Momente: die Heilige Messe (die immer noch das Golgatha ist), auch wenn unsere Hoffnung auf Konzelebration unerfüllt blieb (im Gegenteil: wir hatten den Sixtinischen Chor, im Widerspruch zum Liturgieschema, das promulgiert werden sollte); die Promulgation des Liturgieschemas mit nur vier Gegenstimmen …
Doch auch das Schema über die sozialen Kommunikationsmittel wurde promulgiert. Und es gab auch eine Rede des Heiligen Vaters, die mir grosse Besorgnis bereitete. Der Gegendruck (ich kann sagen: anti-konziliar) hatte keinen Erfolg, um den Promulgationsvorschlag zu verfälschen, der nach meiner Ansicht, vorbehaltlich eines besseren Urteils, synodal war.»
(Giancarlo Collet; CaCi 59; CaLe 1,408f)

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