Schwierigkeiten der zweiten Session

Fünf Schwierigkeiten führt Hans Küng im Rückblick auf die zweite Konzilssession auf:
1. Die Leitung des Konzils wurde mit den Moderatoren zwar neu und besser organisiert. Zugleich fehlte es aber den Moderatoren an einer ausreichenden Kompetenzfülle, um die Arbeit des Konzils gegen den Widerstand der Kurie und der Kommissionen gut zu leiten.
2. Die Geschäftsordnung hat die Abläufe des Konzils zwar verbessert, aber es mangelt an einem Gleichgewicht der Stimmen. Küng berichtet aus der Kommissionsarbeit: «Einer der italienischen Bischöfe, der fast zu jedem Kapitel meinte das Wort ergreifen zu müssen, hat vielleichte ganze 28 Diözesanpriester hinter sich; er muss aber auf die gleiche Weise und Länge angehört werden wie ein Sprecher einer Bischofskonferenz, die vielleicht ein paar tausend Priester und dreissig Millionen Katholiken hinter sich hat.»
3. Die Kommissionen und ihre Leitungen sind zu eigenmächtig gegenüber dem Konzil als Ganzem.
4. Das kuriale Netzwerk ermöglicht einzelnen Bischöfen sehr unterschiedliche und einseitige Einflussnahmen auf das Konzil, z.B. durch die Erlaubnis zur Nutzung der offiziellen Druckerei des Konzils.
5. Die Exegese fehlt. Zwar sind viele theologische Experten auf dem Konzil vertreten, aber die Spezialisten der Exegese, selbst das vatikanische Bibelinstitut erhält keine relevante Rolle auf dem Konzil. Da nützt auch das Evangelienbuch nicht, dass tagtäglich feierlich in der Konzilsaula an seinen Platz getragen wird.
Küng schliesst seine Aufzählung dennoch versöhnlich: «Man wird die realistische Aufzählung all der vielen Schwierigkeiten nicht missverstehen. […] Sie sind […] aufgezählt, um all das Positive gleichsam vom Negativen her in Erinnerung zu rufen.»
(ab; Kü 266ff)

Konzilsblogteam

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