Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Die grosse Hochstimmung, welche Hans Küng zu Beginn der zweiten Konzilssession ausgemacht hat, scheint am Ende verflogen. «Das Unbehagen, das vielfach um sich gegriffen hat und von dem auch in der Presse reichlich berichtet worden war, gründete in dem Eindruck, der Kontrast zwischen dem Geist des Konzils und den definitiven positiven Resultaten sei zu gross. Man legte dabei an die zweite Session mit Recht einen anderen Massstab an als an die erste; einmal hört ja das ‹Sich-Einspielen› des Konzils auf; einmal muss es ja auch in seinen definitiven Ergebnissen ernsthaft vorankommen. Die Verabschiedung der Liturgiekonstitution, die ja bereits in der ersten Session durchdiskutiert worden war, schien für viele Väter ein für die zweite Session zu mageres Ergebnis zu sein; das ohne neue Diskussion allzu rasch und ohne Korrektur verabschiedete Dekret über die Kommunikationsmittel hat, aufs Ganze gesehen, mehr Skepsis und Kritik als Lob gefunden; einen ernsthaften Einfluss auf den Lauf der Dinge erwarten von ihm nur wenige. […]
Zum Pessimismus ist nach wie vor kein Anlass, wohl aber zur Besinnung und noch mehr zu Hoffnung. Der Geist der Erneuerung […] ist stark genug, um alle Schwierigkeiten und Widerstände zu überwinden. […]
Über die zweite Session ein endgültiges Urteil abzugeben, ist schwierig. So viele Fragen sind offen geblieben. Kardinal Bea hat vor dem Ende der zweiten Session gesagt: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben! […]
Die dritte Session entscheidet über den Erfolg der zweiten!»
(ab; Kü 266f. 271f)

Konzilsblogteam

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