«Anspruchslose» Kirche

Beim zweiten Küng’schen Adjektiv stellt sich schon bei der Betrachtung der Auflistung die Frage, was da Neues dazukommen könnte, das eigentlich-logisch nicht schon in den Termini «vorläufig» (Nr.1) und «dienend» (Nr.3) enthalten wäre. Denn eine Kirche, die um ihre Vorläufigkeit und um ihre wahre Aufgabe weiss, ist natürlich per se «anspruchslos», stellt keine hohen Erwartungen an Beifall, Ruhm und Anerkennung. So lasse ich zunächst Küng selbst den Terminus weiter ausführen (S.50):

«Müsste eine Kirche, die sich einbildet, sie schaffe in dieser Endzeit das Entscheidende, sie müsse aus eigener Kraft und Leistung das Gottesreich herbeiführen, aufbauen, errichten, nicht notwendig unwahrhaftig werden, müsste sie so nicht zerstreuen und zerstören, weil es ihr am selbstlosen, ganz auf Gottes entscheidende Tat vertrauenden Glauben gebricht? Kann nicht nur diejenige Kirche, die im vertrauenden Glauben überzeugt ist, dass Gott diese Endzeit inauguriert, trägt und beherrscht und dass er die neue und vollendete Wirklichkeit der Welt und des Menschen schenken wird, wahrhaftig sein und so sammeln und aufbauen, weil ihrem demütigen Vertrauen Kraft geschenkt wird?»

Wortreich, sprachlich raffiniert aufgebaut (die jeweilige Dreizahl und dann Zweizahl der Verben) eine eigentliche Banalität, die ja im ironischen Satz von Alfred Loisy, den sogar Joseph Ratzinger zitierte (Jesus von Nazareth. S.78), provokativ auf die Spitze getrieben wird. Natürlich ist die Kirche nicht das Reich Gottes. Und darum lasse ich nun Ratzinger seinen Professorenkollegen aus alter Zeit gedanklich weiterführen:

«Die Frage nach der Kirche ist nicht die primäre Frage; die Grundfrage ist in der Tat die nach dem Verhältnis von Reich Gottes und Christus – davon hängt es dann ab, wie wir die Kirche zu verstehen haben.» (a.s.O.)

Sic!

Heinz Angehrn

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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