Wer Schweizer Bürger/Bürgerin werden will, muss traditionelle schweizerischen Werte leben. Heisst es. Doch in der Wirklichkeit kann gerade dies eine Einbürgerung verhindern.
Ein Bekannter von mir ist gut in die schweizerische Gesellschaft integriert. Er hat eine feste Anstellung und arbeitet zur Zufriedenheit aller. Ausserdem ist er ein treu besorgter Vater für seine drei Kinder, das jüngste rund ein Jahr alt. Er hat eine nette Frau, die gut für ihre Kinder sorgt.
Doch gerade dies wird der Familie zum Verhängnis. Auf die Frage, warum er noch keinen Schweizer Pass habe, obwohl er sich seit Jahren darum bemüht, sagt er mir: «Mein Frau müsste wenigstens eine 50-Prozent-Anstellung haben.»
Bisher dachte ich immer: Jene, die in der Ausländer/Einbürgerungsfragen einen harten Kurs fahren, verteidigen traditionelle Werte. So etwa «Die Frau gehört an den Herd.» «Mütter, die nicht voll und ganz für ihre Kinder da sind, sind Rabenmütter.»
Offenbar habe ich mich getäuscht. Wer zu treu und redlich traditionelle schweizerische Werte lebt, hat es schwer, ein richtiger Schweizer, eine richtige Schweizerin zu werden.
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
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