Die Jahre 1465 bis 1469 dürften für Niklaus von Flüe sehr schwierig gewesen sein. Zuerst die Unruhe, die ihn als Familienvater und Bauer von zuhause wegtrieb, dann der Abschied von seiner Familie in die Fremde, in Liestal schliesslich wieder in die Heimat zurückgewiesen, der Beginn des Einsiedlerlebens im Ranft nur wenige Minuten von seinem ehemaligen Wohnhaus entfernt, gefolgt von Untersuchungen von weltlicher und kirchlicher Seite, ob der neue Einsiedler nicht doch Schindluderei betreibe und betrüge oder sonst irgendwie «durchgeknallt» sei. Erst die Weihe der Kapelle im Ranft durch den Konstanzer Weihbischof Thomas und dessen Anordnung, Bruder Klaus nach dessen Tod in der Sachsler Pfarrkirche zu begraben, bedeutete 1469 die Anerkennung des Lebens und Wirkens des Eremiten im Ranft. Bereits 1470 verliehen 16 Kardinäle der Ranftkapelle einen ewigen Ablass, welcher vom Konstanzer Bischof bestätigt und vermehrt wird.
Im Bericht von Hans Waldheim aus dem Jahre 1474 ist die Rede von der Nahrungslosigkeit von Bruder Klaus und auch schon von dessen Heiligkeit: «Ich [Hans von Waldheim] bin von weit her hierhergeritten. Bei uns zu Hause hörte ich etwas von einem lebendigen Heiligen, der Bruder Klaus heisst. Dieser habe während sechs Jahren weder gegessen noch getrunken.»
Knapp sieben Jahre nach Beginn seines Einsiedlerlebens im Ranft hat Bruder Klaus also schon den hervorragenden Ruf, den er bis zu seinem Tod nur noch steigern konnte und auch nach seinem Hinschied die Grundlage für seine Verehrung und letztlich für seine Selig- und Heiligsprechung war.
Eng verbunden mit dem Ruf der Heiligkeit ist Bruder Klausens Tätigkeit als Ratgeber und Vermittler, was dazu führte, dass schon nach wenigen Jahren eine Zutrittskontrolle zum Ranft nötig wurde, um ihn nicht allzu sehr zu stören und zu belästigen. Schon vor der berühmt gewordenen Vermittlung von Stans suchten selbst ausländische Diplomaten den politischen Rat des Einsiedlers. In unserem Blog wurde und wird das Thema Beratung und Vermittlung an einzelnen Beispielen konkretisiert. Das hervorragendste Beispiel ist dabei der glückliche Abschluss des Stanser Verkommnisses von 1481, der Schlimmes verhindert hat.
Urban Fink-Wagner, Inländische Mission
Literatur: Durrer (1917–1921); Gröbli (1990), 143–159 (mit einer interessanten Auflistung der offiziellen und privaten Gesandtschaften zu Bruder Klaus).
Bruder Klaus und Gefährten
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/niklaus-von-fluee-als-berater-und-vermittler/