Der Ort der Heiligen in unserem Kirchenbild

So sehr die Barockmusik seit längerer Zeit eine eigentliche Renaissance feiert, so fremd wirken auf uns heute manche barocke Frömmigkeitsformen. Ein aus heutiger Sicht befremdlicher Anblick bot sich etwa den Bruder-Klausen-Pilgern. Am Choreingang der Kirche in Sachseln war der Reliquienaltar aufgebaut, an dem die Pilgermessen gefeiert wurden. Dahinter, ganz hinten im Chor, vom Mittelgang aus betrachtet praktisch vollständig verdeckt, war der Hauptaltar mit Tabernakel positioniert.

Ein süsses Altarbild konnte heruntergekurbelt werden, wenn Pilger da waren. Dahinter kam dann das mit Edelsteinen besetzte und mit Silberdrähten zusammengezurrte Skelett des Heiligen zum Vorschein, das in kniender Haltung den Pilgern entgegenstarrte. Diese Art der Zurschaustellung der Reliquien ertrug man immerhin bis 1934.

Obschon es schon früh Kritiker gab, verteidigte der Bruder-Klausen-Biograf Johann Ming diese Darstellungsweise noch 1863 mit Pathos. Die bereits damals vorgebrachte Überlegung, der Säulenbaldachin mit dem Reliquienaltar verstelle den Blick auf den Hochaltar, suchte er mit der Bemerkung zu entkräften: «Auch das ist symbolisch, wenn das Allerheiligste gewissermassen in geheimnisvollem Hintergrunde ruht. Es ist ja nicht nötig, dass jeder Altar gleichzeitig der Ansicht des gesamten Volkes offen stehe. Es kann für die Neugierde auch zu viel getan werden» (Amschwand, 293).

Wie weit doch der Weg bis zur Liturgiereform noch war!

Das II. Vatikanische Konzil endlich hat den Heiligen ihren theologischen Ort gegeben. Eingebettet in die eschatologische Dimension kommunizieren sie, zur himmlischen Kirche gehörend, mit uns, der pilgernden Kirche durch ihn, Christus, und mit ihm und in ihm.

Der nunmehr eine Altar einer Kirche stellt Christus dar und soll als solcher auch ästhetisch wahrnehmbar die Mitte der Versammlung bilden.

Wenn nun im aktuellen Sachsler Altar von Alois Spichtig die lebensgrosse Bruder-Klausen-Silberfigur von Meinrad Burch-Korrodi dennoch recht prominent platziert ist, so mag er die Frage an uns richten, ob wir denn heute im kirchlichen Alltag die Heiligen überhaupt noch im Bewusstsein führen. Haben wir etwa im nachkonziliaren Eifer dies Kind gar mit dem Bade ausgeschüttet?

Peter Spichtig op

Bruder Klaus und Gefährten

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