Nebst viel Schall, Rauch und Getös, mit dem der Autor sich selber preist und seine vermeintlichen geistigen Gegner zurechtweist, muss das Buch ja beinhalten, was es verspricht: den Terminus der Wahrhaftigkeit als Anforderung an die Kirchengemeinschaft vor dem Hintergrund der neutestamentlichen Botschaft zu verdeutlichen. Das unternimmt der Autor auf den Seiten 45-56, und diese durchzudenken, ist alleiniger Sinn dieser kleinen Blog-Reihe. Küng definiert, nachdem er die klassische Frage, die von der FEG bis hin zu Eugen Drewermann alle Prediger bewegt, «Was wollte Jesus?», aufgeworfen hat, wie folgt:
These: «Und diese Botschaft Jesu von der Gottesherrschaft ist die radikale Frage nach der Wahrhaftigkeit der Kirche, die sich auf Jesu Botschaft beruft. Gegenüber dieser radikalen Frage nach der Wahrhaftigkeit der Kirche sind alle anderen kritischen Fragen bezüglich des ‘Institutionellen’ zweitrangig. Hier wird die ganze Existenz der Kirche angesprochen und herausgefordert,» (S.48)
In fünf Durchgängen verdeutlicht er nun, was «wahrhaftige» Kirche ist:
a) vorläufige Kirche
b) anspruchslose Kirche
c) dienende Kirche
d) schuldbewusste Kirche
e) gehorsame Kirche
Präzisierend bezüglich dieser Adjektive ist das Buch ein 68er-Buch und heute fast 50 Jahre später nicht einfach repetierbar. Aber die fünf Adjektive haben die Jahrzehnte locker überdauert, ohne Staub anzusetzen. Und ich möchte sie nun hier in den Wochen sieben bis elf an diesem Orte in meiner Sprache und aufgrund meiner konkreten Erfahrungen mit dieser Kirche in über 35 Jahren Tätigkeit als Seelsorger und Priester auslegen:
a) «vorläufig» – Kirche ist nie Selbstzweck
b) «anspruchlos» – Kirche verzichtet auf Macht
c) «dienend» – Kirche ist um des Menschen da
e) «schuldbewusst» – Kirche ist ehrlich
e) «gehorsam» – Kirche weiss, dass sie nur einen Meister hat
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant