Kurz nach dem Konzil und noch etliche Jahre vor dem endgültigen Bruch mit Rom veröffentlichte Hans Küng das Buch «Wahrhaftigkeit. Zur Zukunft der Kirche» (Herder Freiburg). Küng macht im Vorwort «Zur Situation» (S.7-24) sein Anliegen klar. Bereits 1967/68 kündigte er in unglaublich prophetischer Klarheit an, dass die «Zweideutigkeit mancher Konzilsbeschlüsse» und die «unrealisierbaren Kompromisse» bei ihrer Formulierung den für ihn «epochalen Strukturwandel», den das Vaticanum II eingeläutet hat (habe? – je nach Sicht) wohl behindern, ja verhindern könnten, zumal schon die römische Personalpolitik Ende der 60er Jahre dies befürchten liess.
In seiner faszinierend arroganten Sprache schrieb Küng, dass er sich der «schweren Verantwortung» des Theologen «getreu seinem Pionierdienst» bewusst sei, dass er als Theologe, der sich «an keine Partei gebunden weiss», Hilfe leisten möchte. Ob dieser Sprache müssen wir heute noch schmunzeln, doch seine Diagnose, die schon der Titel des Buches stellt, traf und trifft zu:
Mit dem Thema der Wahrhaftigkeit – so Küng – sei der «zentrale Blickwinkel» gefunden, unter welchem die Problematik der nachkonziliaren Kirche gesehen werden muss. Zitat (S.19): «Die Kirche soll wieder mehr der Botschaft dessen, auf den sie sich ständig beruft, entsprechen und gerade so erneuert für die Menschheit der Gegenwart, ja der Zukunft bereitet sein.»
Für einen, der 1968 dreizehn Jahre alt war, klingt dies sehr bekannt. Küng muss damals den «Zeitgeist» richtiggehend geschmeckt haben, in dem wir dann die Pubertät und auch das Theologiestudium durchlebten: ad fontes, zurück zum Anfang, zurück zur Botschaft Jesu vom Reich Gottes, das in ihm angebrochen ist.
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant