Der Konstanzer Brief vom 30. Januar 1482 (II)

Dieser Brief von Niklaus von Flüe an die Stadt Konstanz (siehe Blog vom 26. Januar 2017) ist das wohl authentischste Beispiel, wie er als Ratgeber in politischen Fragen agierte. Zum Ersten legte er Wert darauf, dass er nichts aus eigener Macht tue: «Ich habe Eure Bitte wohlverstanden. Ihr begehrt, dass ich Gott für Euch bitte», hält er fest und fährt fort: «Das will ich tun in guten Treuen, es ist aber nicht mehr als Gott tut. Was an mich kommt, dass meine Worte zu Frieden führen und Euch nützlich sein können, will ich mit gutem Willen tun.»

Schlüsselsatz des geheimen Ratschlags in Stans

Zum Zweiten richtete sich sein Ratschlag an die grundsätzliche Haltung: «Mein Rat ist, dass Ihr gütlich seid in dieser Angelegenheit, denn ein Gutes bringt das andere.» Ich teile die Einschätzung von Guido Estermann (siehe Blog vom 26. Januar 2017) und von Forschern wie Ernst Walder, dem besten Kenner des Stanser Verkommnis, dass dieser Schlüsselsatz (<ein Gutes bringt das andere>) wohl den Kern des geheim gebliebenen Ratschlags im Zusammenhang mit dem Stanser Verkommnis vom 22. Dezember 1481 darstellt.

Abschliessend sei angemerkt, dass sich die Eidgenossen und Konstanz letztlich auf eine Lösung einigten, die mehr dem wachsenden Machtanspruch der Eidgenossen gerecht wurde denn nach altem Recht ausfiel. Interessant ist dabei, dass sich vor allem Luzern, das sich beim Stanser Verkommnis so sehr um Bruder Klaus bemüht hatte, nun am meisten gegen eine faire Lösung sperrte.

Roland Gröbli

Gröbli (1990), 154–157; Durrer (1917), 180–187. Estermann Guido (2016): Die Prämisse des Rechtsverzichts als friedlicher Ausweg aus der Krise, in: Gröbli (2016), 203–206; Walder (1994).

Bruder Klaus und Gefährten

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