Ende der Toleranz Gottes gegen unsere Spaltungen

Die Ökumenediskussion und die zweite Konzilsperiode neigen sich dem Ende zu. Samstag/Sonntag wird pausiert, am 2.12. nochmals debattiert, danach werden die Schlussfeierlichkeiten folgen.
Im Rückblick auf die Ökumenediskussion lässt sich feststellen, dass verhältnismässig wenig Grundsatzkritik erfolgt. Manche Konzilsväter melden Bedenken an und warnen vor den Gefahren der Ökumene, doch insgesamt findet die Konzilsvorlage zur Ökumene eine gute Aufnahme. Bald nach Beginn der Debatte werden die ersten drei Kapitel mit nur 86 Gegenstimmen als Diskussionsgrundlage angenommen.
Viele Bischöfe verspüren die Dringlichkeit des ökumenischen Anliegen. Der Erzbischof von Westminster John Heenan deklariert in der Konzilsaula feierlich, dass die Bischöfe von England und Wales in der Vorlage eine Weisung für die Zukunft erkennen und den Christen den getrennten Brüdern in der Heimat die Bereitschaft zum Dialog zusagen (vgl. AS 2/5,610f). Dies verbindet Heenan mit dem Wunsch nach einer Konzilsempfehlung für den regionalen und nationalen Dialog.
Dass die Stunde der Ökumene gekommen ist, meint auch Bischof Jean Rupp von Monaco. Er zählt verschiedene Hinsichten auf, in denen die Anliegen der anderen Kirchen zu würdigen sei, etwa die Wertschätzung des Bischofsamtes bei den Anglikanern oder die Anerkennung der Transzendenz Gottes bei evangelischen Theologen wie Karl Barth. Vor allem aber warnt Bischof Rupp: «Hüten wir uns, dass nicht die Toleranz Gottes gegen unsere Spaltungen bald ein Ende hat, insofern diese Spaltungen weniger entschuldbar sind als in früheren Zeiten, als noch ein Mangel an gesellschaftlicher Freiheit, die geographische Entfernung und eine unüberwindliche gegenseitige Unkenntnis herrschten. Fürchten wir Gott, indem wir weitergehen und nicht indem wir zurückgehen» (AS 2/6,324).
(emf)

Konzilsblogteam

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