Das Konzil von Konstanz und seine Folgen

Das Konzil von Konstanz (1414-1418), ein weltgeschichtliches Ereignis ersten Ranges, war für die Gebiete der heutigen Schweiz sehr folgenreich – ein Anstoss für die längerfristige Entwicklung und Festigung der Eidgenossenschaft. Diese ist nämlich nicht eine stete Weiterentwicklung des Rütlibundes von 1291. Erst im 15. Jahrhundert bildete sich eine unverwechselbare eidgenössischen Identität aus, welche für die Alte Eidgenossenschaft bis zur Französischen Revolution massgebend war.

Die Beendigung des Grossen Schismas mit den drei Gegenpäpsten Johannes XXIII., Gregor XII., Benedikt XIII. war die grosse Leistung des Konzils von Konstanz. Nachdem Johannes XXIII. in der Nacht vom 20. auf den 21. März 1415 mit der Unterstützung von Herzog Friedrich IV. von Österreich aus Konstanz geflüchtet war, erklärte das Konzil am 6. April im Dekret Haec sancta seine Oberhoheit über den Papst: die einzige Möglichkeit, um den Schisma ein Ende setzen zu können. Fast innert Monatsfrist besetzten die von Bern, Zürich und Luzern angeführten und von König Sigismund, der das Konzil einberufen hatte, dazu aufgeforderten eidgenössischen Orte den Aargau, das Herrschaftsgebiet des mit der Reichsacht belegten und durch Reichskrieg bekämpften Herzogs Friedrich von Österreich. Ebenso zog König Sigismund 1415 den Thurgau vom österreichischen Herzog zugunsten des Reichs ein. Damit wurde eine Landbrücke im Mittelland geschaffen, welche die verschiedenen eidgenössischen Länderorte mit den Städteorten verband, ausserdem ein Anstoss zur Expansion. Die aargauischen Untertanengebiete wurden mit Ausnahme des westlichen Teils, der unter Bern kam, nicht unter den Orten aufgeteilt, sondern gemeinsam verwaltet, was den Zusammenhalt der eidgenössischen Orte stärkte. Und im blutigen Alten Zürichkrieg zwischen 1436 und 1450, einem Krieg unter den verbündeten Eidgenossen, zwangen die Orte das mit ihnen verbündete Zürich, das Bündnis mit Habsburg-Österreich aufzugeben.

Noch während des Konzils von Konstanz wurde wahrscheinlich 1417 Niklaus von Flüe geboren, in ein Jahrhundert hinein, dass gerade in der Schweiz von starken Auseinandersetzungen gekennzeichnet war. Im Vorfeld der Burgunderkriege konnten die eidgenössischen Orte mit der Ewigen Richtung 1474 ihr Verhältnis zu Habsburg-Österreich klären, das auf seine früheren Herrschaftsgebiete im Aargau und Thurgau verzichtete. Mit den Burgunderkriegen wurden die eidgenössischen Orte in einem geopolitisch exponierten Raum zu einem attraktiven und effizienten militärischen Partner. Niklaus von Flüe war zu jener Zeit, nach vielen Jahren als aktiver Politiker und Soldat, bereits als Eremit ein gefragter Ratgeber, wie an mehreren Beispielen nachzuweisen ist.

Urban Fink-Wagner

 Literatur: Stettler (2004); Holenstein (2014).

Bruder Klaus und Gefährten

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