Eher das Gemeinsame denn das Trennende vertiefen

«Es gibt einige Konzilsväter, die so reden, als gäbe es in der ganzen Bibel nur den einzigen Text Mt 16,18: ‹Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen›. Sie ermahnen uns, als ob wir gegen Petrus und seine Nachfolger wären oder als wünschten wir den Glauben unserer Gläubigen zu schwächen und den Indifferentismus zu fördern» (AS 2/6,64), so seufzt der gestern schon zitierte Weihbischof Stephen Leven. In der Tat verweisen in der Ökumenedebatte jene Bischöfe, die der Ökumene reserviert gegenüberstehen, wiederholt auf das Papstamt. Jesus Christus, so wird es Kardinal Ruffini am Ende der Debatte mit wünschenswerter Deutlichkeit zum Ausdruck bringen, hat nur eine Kirche gegründet, welche die römische Kirche ist, deren Fundament und Haupt, von Christus dem Herrn eingesetzt, der Summus Pontifex ist. Diese Sachlage ist nach Meinung mancher Konzilsväter so evident, dass es mit den Nichtkatholiken nicht viel zu besprechen gibt. Entsprechende Voten werden am 21. November 1963 von Erzbischof Enrico Nicodemo von Bari und Bischof Luigi Carli von Siena (vgl. AS 2/5,683-685; 691-693) vorgetragen, wobei Carli – als implizite Kritik an der Abstimmung über die Kollegialität – unterstreicht, dass die anderen Apostel dem Petrus als untergeordnete Mitarbeiter gegeben wurden.
Ohne die Differenzen in der Auffassung gerade auch der Kirchenstrukturen zu verkennen, postulieren viele Konzilsväter jedoch für einen anderen Weg: Der maronitische Erzbischof Ignace Ziadé mahnt, das erste Prinzip der Ökumene müsse lauten: «Zwischen den Christen ist eher das Gemeinsame denn das Trennende zu vertiefen» (AS 2/5,675). Entsprechend war der Text anfangs von Bischof Joseph Martin von Rouen eingeleitet worden: Es gehe nicht darum, ein Lehrbuch vorzulegen, in dem die Liste der Lehrunterschiede aufgelistet würde, sondern man wolle auf die Suche nach der gemeinsamen Grundlage gehen, auf der der Dialog aufgebaut werden könne (vgl. AS 2/5,473.476). Daran erinnert Erzbischof Lorenz Jaeger: «Daher ist es angemessen, dass wir nicht wieder und wieder jenes, was uns trennt, wiederholen, sondern dass wir von dem ausgehen, was uns verbindet» (AS 2/5,760).
(emf)

Konzilsblogteam

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