Ein Bischof macht seinem Herzen Luft. Im Hintergrund steht, was er in der Konzilsaula gar nicht ausspricht, sondern nur schriftlich abgibt: Er – es handelt sich um Weihbischof Stephen Leven der Diözese San Antonio/Texas – spricht aus einer 27jährigen pastoralen Erfahrung in einer Region, wo Katholiken in der Minderheit sind. In den 35 Jahren seines Priesterseins sei er alltäglich den Dialog mit Orthodoxen und Protestanten gewohnt gewesen. Implizit schwingt hier eine Ratlosigkeit darüber mit, wie unbekümmert manche Bischöfe in der Konzilsaula ohne jegliche ökumenischen Erfahrungen (so beklagt Leven Vorurteile gegen «Nichtkatholiken, die sie vielleicht nie gesehen haben») weitreichende Voten und Urteile über die Ökumene treffen. Darum beginnt Levens Konzilsrede am 26. November 1963 mit den Worten: «Jeden Tag wird es klarer, dass wir den Dialog nicht nur mit den Protestanten, sondern auch unter uns Bischöfen nötig haben».
Dieser Stossseufzer bezieht sich auf Angriffe gegen jene Bischöfe, die sich für eine anerkennende Rede über die nichtkatholischen Christen und Kirchen einsetzen: «Ohne Aufhören beschuldigen sie uns in dieser Versammlung, als wiesen jene Prälaten, die sich durch einen deutlichen Augenschein genötigt fühlen, die Gaben des Heiligen Geistes in anderen kirchlichen Gemeinschaften anzuerkennen, den Glauben zurück und verursachten ein grosses Ärgernis».
Jenen Stimmen, welche vor den Gefahren und Nachteilen der ökumenischen Bewegung warnen, hält er vor, es müsse ganz einfach für eine bessere Vorbereitung der Gläubigen gesorgt werden. Offenkundig spricht hier ein Bischof, der die (wenig gestalteten) pastoralen Verhältnisse in manchen traditionell katholischen Ländern eher befremdet anschaut. Demgegenüber verteidigt er die Katholiken in jenen Kontexten, in denen sie in ständiger Berührung mit den Nichtkatholiken stehen: sei seien gute Katholiken, den Bischöfen, der Kirche und dem Papst treu, und ausserdem: «Nicht wir haben die Arbeiterklasse verloren».
Vor diesem Hintergrund bittet Weihbischof Leven seine «verehrten Brüder im Konzil, dem Ärgernis der gegenseitigen Vorwürfe ein Ende zu setzen».
(emf; AS 2/6,64-66)
Konzilsblogteam
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