Der Bloggende ist sich bewusst, dass er sich hier in den vergangenen Beiträgen teilweise auf unbedeutenden Pfaden und Schauplätzen der immer wieder nötigen gesellschaftlichen Diskussion zum Zustand der Menschheit bewegt hat (wenn er auch die These von einer Zunahme neofaschistischer Tendenzen aufrecht erhält). Etwas reumütig kehrt er darum auf den Pfad der Tugend zurück (Ein PS für die Vielleser: Den Abdruck meines ganzen Buches, den ich noch vor der Neu-Konzeptionierung der Blogs hier plante, ist an diesem neuen Konzept natürlich gescheitert. Das Buch entsteht aber doch.)
In der Silvester-Ausgabe der NZZ befand sich eine bemerkenswerte Rezension eines posthum erschienen Buches mit Texten von Nobelpreisträger (2002) Imre Kertész unter dem Titel «Der Betrachter. Aufzeichnungen 1991-2001» (Hamburg 2016) durch Andreas Breitenstein. Die Texte zeigen auf, wie Kertész bald nach der Wende die Hoffnung verlor, dass unter den Bedingungen des freien und demokratischen Westens langfristig mehr Humanität möglich ist als unter den Bedingungen totalitärer Systeme. Nach einem «ewigen Augenblick individueller Freiheit» machte sich die Geschichte daran, die Macht des Kollektivs zu «rehabilitieren», werde das Individuum erneut zur «Massenschablone». Die moderne Daseinsform mit ihrem ganzen technischen Firlefanz (Internet, I-Phone, social media – der Schreibende) hat die klassische bisherige Existenzform weggespült, die Kunst, das einfache Lesen, die Grösse, das «heroische Standhalten dem Universum gegenüber – alles, alles, alles». Das menschliche Niveau erlebe einen unvorstellbar schnellen Niedergang, übrig bleiben die «Wissenschaft als Dienstmagd der Macht, Computerspiele und das unser Bewusstsein aushöhlende Fernsehen». Konstitution und Struktur der Welt nehmen einen Charakter an, der inhuman, ja böse sei. Als Leuchttürme der Kultur, an denen sich Kertész noch hält, nennt er unter anderem die Opern Wagners und die Streichquartette Beethovens.
Wie wahr und wie schrecklich. Ich stimme grossmehrheitlich zu und verweise auf die früheren Beiträge hier, die doch nicht ganz so abwegig waren.
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/praegnanteste-manifestationsform-der-dekadenz/