Betet, freie [Schweizer], betet!

Kaum hat das Gedenkjahr begonnen, geht das Spiel in eine neue Runde: das Seilziehen um die Deutungshoheit über Niklaus von Flüe. Wer sagt was wie weshalb und wo über ihn? Unter den wenigen historisch fassbaren Figuren der alten Eidgenossenschaft scheint er sich wie kein zweiter dazu zu eignen, für aktuelle Debatten instrumentalisiert zu werden.

Das geht nun mal mit mutmasslich fiktiven Figuren weniger gut, wie es Mani Matter meisterhaft ironisch auf den Punkt gebracht hatte:

«si hei der willhelm täll ufgfüehrt im löie z’nottiswil

und gwüss no niene in naturalistischerem schtyl,

d’versicherig het zahlt – hingäge eis weiss ig sithär,

sy würde d’freiheit gwinne, wenn sy dä wäg z’gwinne wär»1

Naturalistisches Nachspiel empfiehlt sich aber auch für historisch gut greifbare Figuren nicht. Die Welt hat sich verändert. Dieser Blog wird deshalb einiges an historischer Situierung bieten. Das tut auch bereits die offizielle Gedenkpublikation Mystiker Mittler Mensch.2

Dabei darf aber nicht aus dem Blick geraten, dass Niklaus von Flüe schon zu Lebzeiten als Heiliger angesehen wurde. Insofern gilt es, ihn auch mit theologischer Brille neu zu entdecken: wir wähnen ihn in der «communio sanctorum» und also lebendig. Er ist noch heute ansprechbar und wohlwollend für uns da, nunmehr entgrenzt.

Das grösste Potential dieses Gedenkjahres liegt in der Auseinandersetzung mit dem grossen Beter und Gottsucher: Unsere Gotteskindschaft als Getaufte zur Entfaltung zu bringen im verantwortungsvollen Handeln in unserer heutigen Gesellschaft – unterstützt durch die Fürbitte des Ranftbruders.

Die je zu gewinnende Freiheit erweist sich nämlich als Geschenk, das «arm», «ledig», «demütig» erbetet werden will. Wir sind eingeladen, diesbezüglich in die Schule der beiden Heiligen zu gehen.

Das Cover-Bild des Gedenkbuches verdeutlicht, was sich auch in vielen Beiträgen spiegelt: eine zeitgenössische Auseinandersetzung mit Bruder Klaus gilt dem Paar Klaus und Dorothee.

«Gott weiss.»

Peter Spichtig op

 

Hinweis:

«Mystik der offenen Augen: Die Aktualität der Lehre des Niklaus von Flüe»

Vortrag von Peter Spichtig op

Mittwoch, 18. Januar 2017, um 19:30 Uhr, NEU: Marianischer Saal, Bahnhofstrasse 18, 4. Stock, Luzern.

 

1 http://www.songtexte.com/songtext/mani-matter/si-hei-dr-wilhalm-tall-ufgfuert-2bb6b816.html; aufgerufen am 7.1.2017;

2 Gröbli (2016).

 

 

Bruder Klaus und Gefährten

Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant

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