Nun könnte mir jemand vorhalten, dass ich mich hier ob des Duzens und Küssens sinnlos echauffiere. Ich meine dies aber im vollen und tiefsten Ernst. Denn solches ist nur Vorbote eines weitaus grösseren Übels, das ich in diesem Blog schon vor Jahren kommentiert habe. Wenn man(n) – Politikermann à la Berlusconi und Trump, Diktatorenmann à la Putin, Erdogan und noch berüchtigtere Vorgänger – den Menschen so richtig eingeseift hat, dass er doch bitte schön das tun solle, was die Mehrheit schon tut – sich ungefragt Duzen lassen, sich ungefragt Küssen-Lassen, darauf achten, wie viele Menschen einem liken – und dies auch, weil er sonst zum Aussenseiter werde, der befürchten müsse, nicht dabei zu sein – die Gulags und die kls für die Aussenseiter sind auch schon im Bau – dann steht er vor der Tür, der moderne Faschismus.
Sie glauben es nicht? Sie halten mir vor, ich sei hysterisch? Haben Sie etwa den Silvester-Stadl verpasst, dessen Massenaufmärsche Mal für Mal an Nürnberg erinnern? Haben Sie das rhythmische Klatschen (auch im Wiener Konzertverein…) nicht gehört? Glauben Sie mir, es braucht leider nicht allzu viel, dem Menschen seine Freiheit (und mit gleich auch sein Gehirn) für billige Versprechungen und Vergnügungen (panem et circenses) abzukaufen. Die Vergangenheit hat es gelehrt, möge es die Zukunft nicht wieder beweisen.
Ich verweigere mich Jeglichem. Wer mich im Konzert und Theater schon gesehen hat, weiss, dass ich mit dem Klatschen aufhöre, sobald das rhythmisch wird, dass ich mich dem Zwang zu Standing-Ovations völlig verweigere. Ich wurde mal gefragt, für wen ich denn überhaupt aufstehen würde. Meine Antwort ist und bleibt: Genau für Zwei, den Papst und die Queen.
Heinz Angehrn
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant