Am 10. November 1963 nahm Papst Paul VI. die Lateranbasilika, als «omnium ecclesiarum urbis et orbis mater et caput» die eigentliche Bischofskirche des Bischofs von Rom, in Besitz. Auch Jan Willebrands, der Sekretär des Sekretariats zur Förderung der Einheit der Christen, feiert den Gottesdienst mit. Ob er nur für den Bischof von Rom betet?
Vor und v.a. nach dem Gottesdienst ist sein Tag angefüllt mit zahlreichen Gesprächen, die sich um das Schema De Oecumenismo drehen. Die Lage ist kompliziert: da gibt es Strittiges zwischen Orthodoxen und unierten Kirchen, es stehen Kompetenzfragen zwischen den Kardinälen Bea vom Einheitssekretariat und Cicognani von der Kommission für die orientalischen Kirchen im Raum, und bei alledem gilt es auch eine schwierige «psychologische Situation» (Wil 76) zu berücksichtigen, in die einige der beteiligten Personen durch ebendiese komplizierte Lage hineingeraten sind. Willebrands gibt «Schadensbegrenzung» als Maxime aus («limiter les dégâts»: ebd. 75).
Ist dies wenig? Willebrands geht einen kleinen, mühsamen, aber notwendigen Schritt auf dem «Weg der Kirche von Rom, die den Vorsitz in der Liebe führt gegenüber allen Kirchen», wie es Papst Franziskus unmittelbar nach seiner Wahl am 13. März 2013 formulierte. Was fast fünfzig Jahre nach Paul VI. Papst Franziskus anlässlich seiner Inbesitznahme der Kathedra des Bischofs von Rom am 7. April 2013 predigte, beschreibt durchaus auch den spirituellen Hintergrund der ökumenischen Aktivitäten Willebrands: «Ein grosser deutscher Theologe, Romano Guardini, sagte, dass die Geduld Gottes auf unsere Schwäche antwortet und dies die Rechtfertigung unserer Zuversicht, unserer Hoffnung ist (vgl. Glaubenserkenntnis, Würzburg 1949, S. 28). Das ist wie ein Zwiegespräch zwischen unserer Schwachheit und der Geduld Gottes. Ein Dialog – wenn wir diesen Dialog führen, schenkt er uns Hoffnung».
(Michael Quisinsky)
Konzilsblogteam
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant
https://www.blogs-kath.ch/omnium-ecclesiarum-urbis-et-orbis-mater-et-caput/