Am 9. November 1963, es war ein Samstag, notiert Jan Willebrands in seinem Tagebuch, dass sein Mitarbeiter Jean-François Arrighi um 12 Uhr 30 telefonisch eine Mitteilung erhielt, wonach bereits am Mittwoch oder Donnerstag der kommenden Woche das Schema De Oecumenismo diskutiert werden solle. Nun musste es schnell gehen: die entsprechenden Vorarbeiten waren schnellstmöglich zu erledigen. Für den unermüdlichen Sekretär des Einheitssekretariates Willebrands bedeutete dies inhaltlich-theologische, aber auch «diplomatische» Arbeit. Denn wenig später rief Kardinal Amleto Cicognani an. Diesem missfiel der nun bestehende Zeitplan (der dann übrigens doch nicht eingehalten wurde). Zudem wollte er selbst die einführende «Relatio» halten, in der der Text den Konzilsvätern präsentiert wurde. Als Vorsitzender der Kommission für die Ostkirchen befand er sich in einer Art natürlicher Konkurrenz zum Einheitssekretariat, da sich beide für die Arbeit des Konzils hinsichtlich der Beziehungen zwischen westlichem und östlichem Christentum verantwortlich wussten. Insbesondere die Frage nach den unierten Kirchen stellte hier einen Reibungspunkt dar – auch innerkatholisch war es noch ein weiter Weg bis zur katholisch-orthodoxen Erklärung von Balamand 1993, derzufolge in Gegenwart und Zukunft der Uniatismus kein gangbarer Weg der Einheit der Kirchen mehr sein kann (der französische Text der Erklärung findet sich hier).
(Michael Quisinsky; vgl. Wi 75; A 307-309)
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