Exklusiv-Bericht: Kürzlich referierte der eritreische Priester Abba Mussie Zerai an der Uni Luzern über die Lage in Eritrea. Da meines Wissens keine Medienmitteilung darüber veröffentlicht wurde, kann ich hier exklusiv darüber berichten …
Die Katholiken bilden in Eritrea eine Minderheit von rund 13 Prozent. Ihre vier Bischöfe gelten als regime-kritisch. Sie haben es gewagt, in einem Pastoralbrief die Menschenrechtsverletzungen der Regierung anzuklagen.
Katholiken: keine richtige Kirche
Nach diesen Infos erzählte Abba Mussie, dass es in seiner Heimat zwei orthodoxe Kirchen gibt. Eine steht dem Regime sehr nahe. Die Spaltung zwischen den Orthodoxen werde auch in der Schweiz auf bizarre Weise erfahrbar. Beide Kirchen würden die Gastfreundschaft der Katholiken in Anspruch nehmen – obwohl die regimetreue die katholische Taufe nicht anerkennt.
Für diese sei die katholische Kirche keine richtige Kirche. Darum nehmen sie für ihre Gottesdienste einen eigenen tragbaren Altar mit, den sie auf dem katholischen aufstellen. Unsere Bischöfe haben nun die Anweisung gegeben, dass sie nicht mehr in Kirchen, aber immerhin in Pfarreiheimen zelebrieren dürfen.
Militärdienst
Der für eritreische Katholiken in der Schweiz zuständige Priester bestätigte, dass junge Männer und Frauen zu einem schier endlosen Militärdienst eingezogen werden. Männer müssen bis 50 Militärdienst leisten; Frauen bis 40 – oder bis sie schwanger werden.
Dies hat nicht nur für die Betroffenen Konsequenzen, sondern auch für die Dörfer, in denen es kaum arbeitsfähige Menschen gibt, die den Boden bearbeiten können. Hunger und Elend sind die Folgen.
Begegnungen schaffen
Der Referent lud dazu ein, für die Flüchtlinge Begegnungsmöglichkeiten (in Sport, Kultur …) zu schaffen, damit sie aus der Anonymität heraustreten und «als Individuen wahrgenommen werden». Er erinnerte daran, dass viele gefoltert wurden und auf ihrer Reise in der Wüste oder auf dem Meer Schreckliches erlebt haben. Wenn sie mit ihrem Trauma alleingelassen werden, könnten «Alkoholismus oder Wut» die Folgen sein …
Walter Ludin
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant