Es ist nicht erlaubt, die Laien «wie in früheren Zeiten als passive Glieder der Kirche, die sich unserer Autorität einfältig unterwerfen, oder als stumme Schafe zu behandeln». In diesem Anliegen weist Bischof Ernest Primeau von Manchester auf die Bildung der Gläubigen hin, die «mit Recht fordern, gehört zu werden, wenn es um Dinge geht, in denen sie eine Kompetenz haben, die den Klerikern meistens fehlt». Sie erwarten Vertrauen!
Primeaus Verhältnisbestimmung von Freiheit und Autorität ist von geradezu erschreckend diagnostischer Kraft:
«Freiheit und Autorität müssen gegeneinander abgegrenzt werden. Wenn das Konzil auf diese Frage nach der Beziehung zwischen Freiheit und Autorität keine Antwort erteilt, so müssen wir zweifellos mit drei Reaktionen rechnen:
1. mit einer wachsenden Bitterkeit der Laien gegenüber der kirchlichen Autorität;
2. mit einer wachsenden Gleichgültigkeit der Laien, die allenfalls noch passiv die Gesetze beobachten, aber am Leben und Auftrag der Kirche keinen Anteil mehr haben werden;
3. ja, sogar manchmal, traurig genug, mit einem Abfall vom Glauben und von der Kirche.
Die Kirche braucht, damit sie wachsen kann, die Hilfe der Laien und besonders die der sogenannten Intellektuellen. Hilfe und Rat wird die Kirche aber allein dann von ihnen erfahren, wenn sie ihre legitime Freiheit zu handeln und ihren Sinn für Initiative gelten lässt und bereit ist, sie überall dort, wo sie zuständig sind, in geschuldeter Achtung heranzuziehen. […]
Viel zu viel bekräftigt der Text die Notwendigkeit von Gehorsam, Achtung und Unterwerfung, und zu wenig ermutigt er die eigene Verantwortlichkeit und die Freiheit zur Initiative, die den Laien zuzuerkennen sind, weil sie wahre Glieder des mystischen Leibes Christi sind. Man mache ein Ende damit, immer wieder von ihrer Pflicht der Unterwerfung und Ehrerbietung zu sprechen, als gäbe es für sie nur diese Verpflichtungen: glauben, beten, gehorchen, zahlen».
Primeau beendet seine Rede, in der er «für die Laien» gesprochen habe, mit dem Wunsch: «dass die Laien selbst von den Vätern gehört werden; man möge die Laienhörer, die in dieser Konzilsaula anwesend sind, im Namen aller Laien sprechen lassen».
(emf; vgl. AS 2/3,256-258; Übersetzung nach AdF 2,30f)
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