«Das Wirken des Heiligen Geistes ist nicht erloschen in der Kirche!»

Der Entwurfstext zu den Charismen habe den Eindruck erweckt, es handle sich um irgendein peripheres und akzidentelles Phänomen im Leben der Kirche. Mit dieser offenkundigen Bezugnahme auf die Rede von Kardinal Ernesto Ruffini eröffnet Kardinal Léon-Joseph Suenens am 22. Oktober 1963 eine engagierte Stellungnahme zu den Charismen.
«Die Zeit der Kirche, die durch die Jahrhunderte pilgert bis zur Wiederkunft des Herrn, ist die Zeit des Heiligen Geistes. Durch den Heiligen Geist nämlich versammelt der erhöhte Christus Gottes eschatologisches Volk trotz all seiner Gebrechlichkeit und Sünde, reinigt es, belebt es und führt es in alle Wahrheit. […] So ist der Heilige Geist nicht nur den Hirten allein gegeben, sondern wirklich allen Christen […] Die ganze Kirche ist deshalb wesentlich eine wahrhaft pneumatische Wirklichkeit, auferbaut nicht nur auf dem Fundament der Apostel, sondern – wie es Eph 2,20 heisst – auch der Propheten. […] Der Heilige Geist manifestiert sich in der Kirche in der Vielgestaltigkeit und Fülle seiner geistlichen Gaben […]. So erscheint für Paulus die Kirche des lebendigen Christus nicht als irgendeine administrative Organisation, sondern als ein lebendiges Miteinander von Gaben, Charismen und Diensten. Allen Christen und jedem einzelnen ist der Geist gegeben […].
Kennen wir nicht alle, jeder für seine Diözese, Laien, Männer oder Frauen, die wahrhaft von Gott gleichsam berufen werden, denen die verschiedenen Charismen vom Geist gegeben werden, bei der Katechese, beim Werk der Verkündigung, auf dem Feld der verschiedenen Formen der Katholischen Aktion, im sozialen oder karitativen Tun? Ja, aus unserer alltäglichen Erfahrung heraus wissen und erkennen wir: das Wirken des Heiligen Geistes ist nicht erloschen in der Kirche! […] Der Hirten Aufgabe ist es […], die Charismen des Geistes in den Kirchen […] zu fördern und sich ausbreiten zu lassen».
Am Ende seiner Rede kommt Suenens auf Konsequenzen zu sprechen. Neben Veränderungen im Text schlägt er vor, die Zahl der Laienauditoren in der Konzilsaula zu vergrössern. Und: «Mögen als Zuhörer auch Frauen eingeladen werden, welche, wenn ich nicht irre, die Hälfte der Menschheit ausmachen».
(emf; vgl. AS 2/3,175-178; Übersetzung nach Ko 24-28)

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