Wie ein Platzregen

Mitte Oktober stellt sich Müdigkeit ein. In der Sitzung vom 21. Oktober 1963 wird anfangs das 4. Kapitel der Liturgiekonstitution in der neuen Fassung verlesen. Als um 11 Uhr die Diskussion über die Kirchenkonstitution beginnt, ist man bereits erschöpft (vgl. Co 1,488). Congar wird nach den verbleibenden 6 Konzilsreden notieren, es sei eine leere und ermüdende Sitzung gewesen.
Am nächsten Tag bringt er seine Unzufriedenheit weiter auf den Punkt: «Es gibt keine DISKUSSIONEN einer FRAGE, nicht einmal gestellte Fragen, es ist eine Abfolge von Reden. Jeder geht seiner Idee, seiner Synthese, seiner Marotte nach» (Co 1,490).
Schon Anfang Oktober hatte Abt Basilius Niederberger in seinen Aufzeichnungen beklagt, wie wenig Konzentration und Ruhe in der Konzilsaula herrscht. «Rechts unterhielten sich unziemlich laut zwei Konzilsväter. Andere verliessen die Tribüne & andere kehrten zurück. Zwischenhinein stampfte der Platzordner herum & verteilte Stimmzettel & vom Seitenschiff herauf hörte man auch unziemlich laut Konzilsväter, die offenbar dort private Gespräche führten. […] Vielleicht hängt das alles damit zusammen, dass nun doch Wiederholungen vorkommen & dann & wann meint man, man sei einem Platzregen preisgegeben, wenn sich pausenlos die Redner folgen. Es handelt sich immerhin um theologische Probleme, über die man nachdenken sollte. Aber man kommt bei dieser Methode kaum dazu».
Zermürbend sind in dieser Zeit aber nicht nur die unzusammenhängenden Konzilsreden, sondern auch der Eindruck, dass hinter den Kulissen unerfreuliche Kämpfe ausgetragen werden …
(emf; vgl. Abt Basilius Niederberger: Als Konzilsvater in Rom. Auszüge aus dem Tagebuch des Mariasteiner Abtes 1962-1964 auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil. In: Mariastein Themenheft 2012: 50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil, 43-65, 52. Siehe Konzilsblog vom 19. März 2013: http://www.kirchenblogs.ch/d/blogs/konzilsblog/m97692)

Konzilsblogteam

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