Walter Ludin

Priester und Laien

Keine Zwei-Klassen-GesellschaftIm folgenden Auszug aus seinem Wiener Vortrag schreibt Prof. Walter Kirchschläger:»Das Zeugnis des Neuen Testaments über die Kirche kennt keine entsprechende Aufgliederung in Klerus und Laien.»Diese Aussage ist nicht unerhört. Schon vor Jahren wurde dies während einer Bischofssynode in Rom festgestellt.
Übrigens: Hier sei nochmals auf die Tagung über das allgemeine Priestertum hingewiesen, welche die Tagsatzung am 23. Januar in Luzern durchführt. Referent ist Walter Kirchschläger. Vgl. www.tagsatzung.chUnd hier der Ausschnitt aus dem Vortrag:
4.2 Denn auch hier ist zu sagen: «Nicht ist es so unter euch.» Das Zeugnis des Neuen Testaments über die Kirche kennt keine entsprechende Aufgliederung in Klerus und Laien. Zwar kommt im Neuen Testament mehrfach zum Ausdruck, dass die Glaubenden in der Kirche das neu gestaltete Volk Gottes, eben den lao,j [laós] bilden, der den in der Jüdischen Bibel verankerten Gedanken von einem Volk, das Gott zu eigen ist, fortführt. Für die Menschen in der Kirche – für alle Menschen in der Kirche – ist ihre Getauft-Sein konstitutiv und grundlegend.Aus dieser grossen Zahl getaufter Menschen werden in den Hauskirchen, in den Kirchen am Ort, wo notwendig auch ortsübergreifend einzelne Getaufte mit Diensten betraut, die ob ihrer Bedeutung durch Gebet und Handauflegung übertragen werden. Zurecht erkennen wir in dieser Praxis den Kern des heutigen sakramentalen Weiheverständnisses. Von einer Heraushebung und damit einer Eingliederung in eine eigene Gruppe oder einen eigenen Stand in der Kirche kann in diesem Zusammenhang nicht die Rede sein, ebenso wenig, dass solche Dienste nur einem bestimmten Geschlecht vorbehalten bleiben und allenfalls an einen bestimmten Lebensstand gebunden sind.Paulus hat bekanntlich vor allem gegenüber der korinthischen Kirche ausführlich über diese Fragen reflektiert und gerade darauf besonderen Wert gelegt, dass durch die für den Aufbau des Leibes Christi aufgrund persönlichen Charismas und aufgrund von Beauftragung durch die Kirche am Ort ausgeübten Dienste kein hierarchisches Gefälle und damit auch keine Sondergruppe entstehen darf. Kein Teil des Leibes Christi darf sich über einen anderen erheben, keine und keiner kann sagen: «Ich brauche dich nicht». Gemeinsam tragen sie Verantwortung für Aufbau und Leben dieses Leibes (vgl. 1 Korintherbrief 12).

2. Januar 2010 | 01:57
von Walter Ludin
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