Thomas Boutellier

Plädoyer für Nachhaltigkeit

Plädoyer für Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit ist ja inzwischen ein Modewort geworden. Alles muss irgendwie nachhaltig sein.
Beim Essen, in der Umweltpolitik, der Bildung etc.
An der GV von kath.ch, beim Themenblock zu Jugend und Medien, hat ein Vertreter der französischen Schweiz ein Appell für Events gehalten. Das sei es, was Jugendliche anzieht, Weltjugendtreffen, Taizé Jahrestreffen oder das Bistumsjugendtreffen sind solche Events.
Ja, da gebe ich ihm schon recht. Es zieht die Jugendlichen an. Aber was dann, was wenn der Anlass zu Ende ist, man zu Hause sitzt?
Über Auffahrt war ich mit 50 Jugendlichen in Taize. Und auch die Brüder dort beschäftigen sich mit dieser Frage. Was kannst Du zuhause tun? Sie fragen immer wieder und geben auch Anleitungen mit.
Aber: Wenn das so gut funktionieren würde, dann hätte im Verlaufe der letzten 30 Jahren in jeder Pfarrei der Schweiz eine Taizégruppe entstehen müssen. Wenn man den Weltjugendtag zum Anlass nimmt, dann müsste die kirchliche Jugendarbeit im Bezug auf (Jugend-) Gottesdienste und Anbetung wunderbar funktionieren.
Erfahrungsgemäss läuft es aber nicht so. Die Jugendlichen gehen an die Events! Unbestritten und ziemlich sicher nehmen sie auch mehr mit nach Hause als neue Freunde und Telefonnummern für WhatsUp Chats.
Aber Nachhaltig? Im Sinne von prägend, verändernd? Einer Ausrichtung des Lebens auf Jesus, die Kirche oder Gott?
Das ist es dann eben in den meisten Fällen nicht. Es ist ein Event, und vorbei heisst oft eben wirklich vorbei.
Und hier sind Kirche, Jugendarbeit und auch katholische Medien gefragt, nachhaltig zu arbeiten.
Ein verlässlicher Partner zu sein, Ansprechperson nicht nur während ein paar Tagen im Jahr. Jugendliche, die die Kirche, egal auf welchem Kanal, als verlässlich und offen für sie erleben, werden nachhaltig geprägt. Es muss ja nicht im wöchentlichen Gottesdienstbesuch gipfeln. Aber in einer positiven Grundhaltung gegenüber der Kirche, gegenüber Gott und der Religion. Im Gottvertrauen, und im Beten ohne zwingendes öffentliches Zeugnis.
Die Jugendlichen sind dann unsere Zukunft. Jugendliche die nachhaltig positiv geprägt wurden. Jugendliche, die nicht nur den Event besucht haben, sondern den Inhalt, die Grundeinstellung mit sich (und mit unserer Hilfe) in ihr Leben eingebaut haben.
Nichts gegen Events. Im heutigen Zeitgeist braucht es sie. Aber ein Event ohne Verankerung, bleibt oft nicht mehr als ein Anlass mit Freunden.

Taizefeier Olten © Thomas Boutellier
22. Juni 2017 | 16:06
von Thomas Boutellier
Teilen Sie diesen Artikel!