Sibylle Hardegger

Pilgern in Skandinavien (3)

Wallfahrt nach Vadstena auf dem Klosterweg
Pilgerweg in Skandinavien versuchen auch die Geschichte auch die Kirchengeschichte zu illustrieren. So entstand bereits 1998 der sogenannte «Klosterleden». Er führt von der Ostsee bis zum Vätternsee nach Vadstena. Man kommt auf diesem Weg an 11 Klöstern vorbei, wobei man 5 Klostertraditionen begegnet. Im Mittelalter besass das westliche Östergotland die höchste Klosterdichte von Schweden. Hier entstanden die ersten Klöster Schwedens. Aufgefordert durch König Sverker und Königin Ulfhild sandte Bernhard von Clairveaux (Zisterzienser) Mönche nach Norden, wo sie 1143 in Alvastra ein Kloster gründeten. In Vastena begegnet man den Birgittinnen. Karin, die älteste Tochter von Birgitta wurde erste Äbtissin des dortigen Klosters, zu dem 60 Nonnen und 25 Mönche gehörten. Ebenfalls sind die Dominikaner auf dem Klosterweg vertreten. In Skänninge wurde im 13. Jahrhundert ein Doppelkloster für Männer und Frauen gegründet. In Vreta trifft man auf die benediktinische Tradition. Vreta war mit hoher Wahrscheinlichkeit das erste Kloster in ganz Schweden gegründet zu Beginn des 12. Jahrhunderts. Der franziskanischen Tradition begegnet man auf dem Klosterweg gerade an drei Orten. Der Franziskanerorden war im Mittelalter der populärste Orden im Land. Der Klosterweg ist ein Pilgerweg durch eine ausgesprochen schöne Landschaft. Zugleich ist er ein Weg durch eine kulturreiche Landschaft voller Spuren des frühen Mittelalters. Ein Weg, der die kräftige Entwicklung widerspiegelt, welche die Einführung des Klosterwesens auf schwedischem Boden auslöste, wirksam bis in die Gegenwart. So führt doch der Klosterweg auch am Helige Hjärta Kloster vorbei. Ein Benediktinerinnenkloster, das als ganzes 1988 zur römisch-katholischen Kirche konvertiert ist. Eine nicht nur für Schweizer Ohren fast unglaubliche Tatsache, welche die Klostergeschichte bis in die heutigen Tage weiterschreibt. Als einzig noch «besiedeltes» Kloster – nebst den Birgitinnen in Vadstena – stehen die Benediktinerinnen vom Helige Hjärta Kloster gerne zur Verfügung für Gespräch und Begegnung. Man kann auch einfach in der Klosterkirche Rast einlegen und an der Liturgie der Schwesterngemeinschaft teilnehmen. Ein Ort, den man erfrischt an Geist und Seele wieder verlässt.
Wallfahrt nach Alt-Uppsala – Eriksweg
Im Gegensatz zu den grossen Pilgerwegen im Norden, ist der Eriksweg ein Spaziergang. Gerade mal sechs Kilometer lang ist er und beginnt in der Domkirche von Uppsala und führt hinaus aus der Stadt nach Alt-Uppsala. Gemäss der Legende wurde der Heilige König Erik am 18.Mai 1160 in der Schlacht zu Uppsala enthauptet. Dort wo sein Kopf hinrollte, soll eine sprudelnde Quelle entstanden sein. Das Grab Eriks befindet sich in der Domkirche von Uppsala. Während vieler Jahrhunderte wurden an seinem Gedenktag in einer Prozession die Reliquien nach Alt-Uppsala hinausgetragen. Dieser Prozessionsweg gab dem heutigen Pilgerweg auch den Namen. Die Kirchen entlang des heutigen Weges laden zur Meditation und Stille ein. Die Tafeln entlang des Weges bringen dem Pilgernden die Geschichte um Erik und Alt-Uppsala, das für die schwedische Geschichte ein Ort von grösster Bedeutung ist, näher.

17. August 2011 | 16:46
von Sibylle Hardegger
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