Sibylle Hardegger

Pilgern in Skandinavien (2)

Wallfahrt nach Vadstena – Birgittaweg
Was in Norwegen der Heilige Olav ist, ist in Schweden die Heilige Birgitta. Ihre Wallfahrt konzentriert sich auf den Ort Vadstena am Vätternsee. Die Heilige Birgitta entstammte einer einflussreichen Familie. Ihre Biographie ist so spannend weil sie sich in unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten bewegt hat und weil sie das Leben in verschiedensten Ständen durchlebte. Jung wurde sie verheiratet, führte – so weit das zu beurteilen ist – eine glückliche Ehe und gebar acht Kinder. Unter König Magnus Eriksson war sie am Königshof als Oberhofmeisterin tätig. In dieser Zeit schon mischte sie sich in die Fragen von Gesellschaft und Politik ein und scheuchte auch nicht davor zurück, den König selbst zu kritisieren. Ebenfalls appellierte sie an den Papst, der damals in Avignon war, nach Rom zurück zu kehren. Leider ohne Erfolg. Zusammen mit ihrem Mann Ulf Gudmarsson begab sie sich auf Wallfahrt nach Santiago. Geschwächt von dieser Reise starb Ulf bald nach der Rückkehr im Kloster Alvastra, wohin er sich in seiner Krankheit zurück gezogen hatte. Birgitta wohnte in dieser Zeit im Gästehaus des Klosters und harrte so an der Seite ihres Mannes aus. Nicht immer zur Freude aller Mönche. Seit ihrer Kindheit hatte Birgitta Offenbarungen. In diesen begegnete sie der Gottesmutter oder Christus selber. In einer solchen wurde sie angehalten einen neuen Orden am Vätternsee zu gründen. So entstand 1349 der Orden des Heiligen Erlösers heute meist Birgitinnen genannt. Im selben Jahr reiste Birgitta nach Rom um die päpstliche Genehmigung ihrer Ordensregeln zu erbitten. Während sie auf die Approbation wartete gründete sie ein Hospiz und engagierte sich für die Armen und Prostituierte. Ihr diakonischer Einsatz war Ausdruck ihrer Sehnsucht nach mehr Gerechtigkeit unter den Menschen und sollte sich später als ein Leitmotiv ihres Lebens herausstellen. Erst 1370 bestätigte der Papst ihre Ordensregel. Birgitta verstarb 1373 in Rom. Ihre sterblichen Überreste wurden nach Vadstena überführt. Aus dieser sehr kurzen Beschreibung ersehen wir, dass das Leben der Heiligen Birgitta sehr facettenreich war. Sie kannte das Leben als Mutter und Ehefrau, das Wirken am Königshof, das Engagement für Ausgegrenzte in Rom und das geistliche Leben, dass einer Ordensfrau nahe kommt auch wenn sie selber nie Ordensgelübde abgelegt hatte. Ganz neu eingerichtete Birgittaweg führt von Linköping nach Vadstena. Das sind ca. 85 Kilometer. Der Weg versucht das Leben Birgittas zu illustrieren. So führt er nach Ulvåsa, wo die Heilige Birgitta und ihre Familie lange Jahre gewohnt haben und auf Vadstena zu, wo das Doppelkloster – Männer und Frauen – von Birgitta gegründet wurde. Der Start bei der Einweihung des Birgittaweges war das Krankenhaus in Linköping. Damit wollte man daran erinnern, dass auch Birgitta sich zeitlebens für Kranke und Hilfsbedürftige eingesetzt hatte.

16. August 2011 | 11:44
von Sibylle Hardegger
Lesezeit : ca. 2  Min.
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