Perspektiven für eine Zukunft der Kirche (III.)
Immer neu denken
Zum folgenden Abschnitt aus Paul Hoffmanns Jesusbuch fällt mir Bert Brecht ein: «Lass uns einen neuen Brauch einführen: in jeder Situation neu zu denken.» Genau dies tut die Kirchenleitung nicht, allen voran B 16: Dieser vor allem transportiert die Theologie der Kirchenväter in die Gegenwart: eine Theologie, die damals bahnbrechend war, in dem sie sich mit der damals aktuellen Philosophie und dem herrschenden Zeitgeist kreativ auseinandergesetzt hat. Was würden diese «Väter» sagen, wenn sie sähen, wie ihre damals moderne Antwort unbesehen in eine ganz andere Zeit hinein gesprochen wird???? «Es kann nicht genügen, auf den der Kirche verheißenen Beistand des Heiligen Geistes zu verweisen und diesen zur Rechtfertigung des jeweiligen Status quo in Anspruch zu nehmen. Zu fragen wäre, wie und wo sich dieser Beistand in der jeweiligen Situation artikuliert. Schon Paulus sprach von der Unterscheidung der Geister und forderte die Gemeinde auf, alles zu prüfen und nur das zu behalten, was gut ist (1 Thess 5,21). Angesichts der Ambivalenz der kirchengeschichtlichen Entwicklung und der ständigen Gefährdung der Sache Jesu in der traditio ecclesiastica – schon die Evangelien stellen Petrus als Bekenner und Verräter dar (Mk 8,27-33 par) – bedarf es der kritischen Auseinandersetzung mit dem Gewordenen und der ständigen Unterscheidung von Ideologie und Glaube. Das Wissen um die bleibende Gefährdung des Erbes Jesu in seiner Rezeptionsgeschichte bildet den hermeneutischen Schlüssel zu dessen Verständnis. Dies verlangt gegebenenfalls, die «Geschichte gegen den Strich zu bürsten» (W. Benjamin). Hierin liegt gerade auch die Aufgabe der Theologie, speziell der Exegese als historisch-kritischer Wissenschaft. Recht verstanden ließe sich, wenn man der Deutung der Petrus-Figur durch Matthäus folgt, auch der Petrus-Dienst in der Kirche als Auftrag verstehen, das Erbe Jesu in der Kirche aus allen Völkern immer wieder kritisch in Erinnerung zu bringen.’ Dies bedeutete aber, die In-Frage-Stellung der jeweiligen institutionellen Gestalt der Kirche selbst zu institutionalisieren.»
Wie wahr und wie notwendig!!!
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