Päpstliche Mahnungen an die neuen Kardinäle
Aufruf zum DienenAm vergangnenen Samstag sagte B16 im Konsistorium mit den neuen Kardinälen: (Vorbemerkung von WLu: Ich lade euch ein, Ideal und Wirklichkeit miteinander zu vergleichen. Dazu morgen ein Text von H. Kohlmayer!)
«Ihr wißt, daß die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen mißbrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein» (Mk 10,42-44).Herrschaft und Dienst, Egoismus und Altruismus, Besitz und Gabe, Interesse und Unentgeltlichkeit – diese zutiefst gegensätzlichen Logiken stehen zu allen Zeiten und an allen Orten einander gegenüber. Über den von Jesus gewählten Weg besteht kein Zweifel: Er beschränkt sich nicht darauf, ihn den damaligen und den heutigen Jüngern mit Worten anzuzeigen, sondern verwirklicht ihn in seinem eigenen Leben. Er erklärt nämlich: «Auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele» (V. 45). Diese Worte werfen ein ganz besonders intensives Licht auf das heutige Öffentliche Konsistorium. Sie klingen im Innersten der Seele nach und sind eine Einladung und ein Aufruf, ein Auftrag und eine Ermutigung speziell für euch, liebe, verehrte Mitbrüder, die ihr nun in das Kardinalskollegium aufgenommen werdet.Nach der biblischen Überlieferung ist der Menschensohn derjenige, der die Macht und die Herrschaft von Gott erhält (vgl. Dan 7,13f). Jesus deutet seine Sendung auf Erden, indem er die Gestalt des Menschensohns und jene des leidenden Gottesknechts, wie sie von Jesaja beschrieben wird, übereinander legt (vgl. Jes 53,1-12). Er empfängt die Macht und die Herrlichkeit nur als «Knecht»; aber Knecht ist er, insofern er das Schicksal von Leid und Sünde der ganzen Menschheit auf sich nimmt. Sein Dienst verwirklicht sich in der gänzlichen Treue und in der vollen Verantwortung gegenüber den Menschen.
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