Österreichische Laien-Initiative
Kirchenreform unmöglich?
(Auch zwei Wochen nach meinen dreiwöchigen Ferien konnte ich noch nicht alle 420 Mails bearbeiten, die in meiner Abwesenheit angekommen sind – zumal es seither ja täglich wieder über 30 neue gibt. So stosse ich erst jetzt zum Mail, in dem Herbert Kohlmaier sich als «Obmann» der von ihm gegründeten Laien-Initiative verabschiedet. Ich stelle hier seine Anfrage an die Kirchenreform zur Diskussion.) Ich bin zur Überzeugung gekommen, dass eine Reform der Kirche, die wir wie viele andere Kräfte bisher anstrebten, derzeit ein unerreichbares Ziel ist. Wir stehen unter dem Diktat einer verstockten vatikanischen Bürokratie, die weder gewillt noch fähig ist, den Auftrag des Herrn in unserer Zeit zu erfüllen. Unter der Verantwortung eines von seiner Aufgabe auf geradezu jämmerliche Weise überforderten Papstes ignoriert Rom die verzweifelten Mahnungen höchst besorgter Katholiken, darunter sehr Vieler aus Wissenschaft und Geistlichkeit. Es ist unfassbar!Ja, man steuert sogar den Kurs zurück in die Vergangenheit! Die Kirche ist auf dem Weg zu einer lateinische Formeln murmelnden Sekte unterwerfungssüchtiger und sexualneurotischer Sonderlinge. Sagen wir es uns und auch der Welt ganz offen und ehrlich: Die Reform der Institution ist angesichts dessen nicht möglich. Christentum kann heute nur mehr in völliger Loslösung von dieser Hierarchie gelebt werden! Die als Reformbewegung gegründete Laieninitiative hat damit ihre Bedeutung nicht verloren – ganz im Gegenteil! Sie muss jenen Menschen, die der Kirche trotz allem die Treue halten, eine unverzichtbare Stimme geben. Sie will zur Selbständigkeit mündig gewordener Christen aufrufen und anleiten. Wir wissen heute nicht, wie die Entwicklung weitergeht, aber jeder, der die Nachfolge Jesu ernst nimmt, steht vor einer Pflicht: dem Glauben durch persönlichen und verantwortungsbewussten Einsatz wieder eine Zukunft zu geben!…..Abschließend noch ein persönliches Wort, das Sie verstehen mögen: Ich hatte als langjähriger Politiker mit sehr vielen Menschen zu tun. Für mich ist es aber unbegreiflich: Die Reformorganisationen, hinter denen viele Tausende Katholiken stehen, halten dem Papst vor, dass zentralistische Bischofsernennungen der Tradition und dem Evangelium widersprechen. Er ignoriert das einfach. Das ist nicht nur unchristlich, sondern auch grob ungehörig! Der Großteil der Bischöfe verhält sich nicht anders – sie haben sich zu willenlosen Außenstellenleitern Roms degradieren lassen. Solche Leute sind für mich einfach nicht satisfaktionsfähig. Ich will mit ihnen nichts mehr zu tun haben. Um positiv zu schließen: Es gibt nach wie vor großartige Seelsorger, die ich bewundere – Altbischof Krätzl, die Äbte Fürnsinn und Christian, Helmut Schüller, Georg Sporschill und viele andere. Meine Gemeinde hat einen menschlichen und aufgeschlossen denkenden Pfarrer. Dieser Typus hat heute kaum Nachwuchs. Aber an der «Basis» geschieht noch immer Großartiges und Segensreiches. Bei diesen Frauen und Männern liegt die Zukunft der Kirche und wir müssen uns energisch auf ihre Seite stellen. Eine niederdrückende Last muss abgeworfen werden, die Wege unseres Herr sind frei von unerträglicher Bevormundung zu beschreiten. Das ist die einzig mögliche «Kirchenreform». Dr. Herbert KohlmaierA 1230 Wien, Gebirgsgasse 34, Tel. (+43 1) 888 31 46kohli@aon.at
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