Walter Ludin

Ökumene

Pesch: Sehr vieles ist klarGerade auch mit Blick auf den Aufruf von 23 dt. «Promi-Christen», welche das Ende der Kirchenspaltung fordern, heisst es wieder einmal, es bestehe in ökumenischen Fragen «immer noch entschiedener theologischer Klärungsbedarf». Otto Hermann Pesch, ein profilierter Ökumeniker, widerspricht in einem Gespräch mit dem Deutschlandradio vehement:
Die Wahrheit ist, dass in den zuständigen theologischen Arbeitskreisen – ich denke nicht zuletzt an den ökumenischen Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen, dem ich angehöre -, da liegen die argumentativen Klärungen seit Jahrzehnten auf dem Tisch, man muss sich nur bedienen, das ist alles veröffentlicht. Immer noch zu behaupten, da sei Klärungsbedarf, weil immer noch alles mögliche ungeklärt sei, das ist einfach eine Falschmeldung.Frage: Theologische Gegensätze macht ja nicht nur die Katholische Deutsche Bischofskonferenz fest, sondern auch ein Vertreter der EKD in Reaktion auf Ihren Aufruf. Der spricht auch von «wesentlichen Unterschieden im Glaubensverständnis». Kann man das einfach so vom Tisch wischen?Pesch: Nein, das kann man nicht vom Tisch wischen. Die Frage ist nur, ob diese wesentlichen Unterschiede im Glaubens- und Kirchenverständnis wirklich noch kirchentrennend sind, oder ob sie nicht den Status von, sagen wir mal, Unterschieden in der Spiritualität, auch Unterschieden in der Theoriebildung, Unterschieden in der praktischen Schwerpunktsetzung betrifft, die durchaus legitim sind. Ich erinnere immer in dem Zusammenhang gerne an einen schönen Satz von dem damaligen Professor Ratzinger von 1956 in einem Vortrag, wo er sagte, «Kirchen, die Kirchen bleiben und eine Kirche werden», also Kirchen, die durchaus unterschiedliche Schwerpunkte in ihrer Spiritualität, in ihrem ganzen Seelsorgeverhalten und so weiter setzen, aber trotzdem nicht sozusagen in unüberwindlicher Trennung leben müssen. Wie dann die Form der Einheit einer neuen Kirchengemeinschaft ist, das ist dann noch mal eine andere Frage, wo man immer noch etwas diskutieren kann.»—————————————————Tatsächlich, Professor Ratzinger hat es sehr schön ausgedrückt!

11. September 2012 | 01:36
von Walter Ludin
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