NZZ 31. Januar 1962: Vor dem Vatikanischen Konzil. Der Vorstoss von Pater Lombardi
«(epd.) Der Jesuit Riccardo Lombardi, Gründer der ‹Bewegung für eine bessere Welt› und bekannter Kanzelredner, hat in einem ‹Das Konzil› betitelten Buch Vorschläge für das bevorstehende Konzil gemacht. Er fordert darin eine Reform durch eine besondere ‹Einheits-Aszetik› aller Glieder der Kirche sowie eine Papstwahl auf breiterer und allgemeinerer Grundlage. So sollte nicht von vornherein die Möglichkeit ausgeschlossen sein, eine Persönlichkeit mit der Tiara zu krönen, die nicht dem Kardinalskollegium angehört. Die Kurie sollte nicht nur administrativ, sondern auch integrierend und orientierend zutage treten. Aemter sollten nur an die dafür geeignetsten Persönlichkeiten vergeben werden, die innerhalb der gesamten Kirche auszuwählen sind. […] Im weiteren verlangte er die Verurteilung jeglichen Karrierestrebens in der Kurie und in der Hierarchie, absolute Unabhängigkeit von jedem erworbenen Recht bei Beförderungen, die Freiheit, jedes Mitglied der Kirche [richtig wäre wohl: Kurie] ‹an die Peripherie der Kirche› zurückzuschicken, sobald seine Dienste in der Zentralverwaltung nicht mehr benötigt werden. […]In einer ‹Betrachtung zum Tage› kam der Sprecher von Radio Vatikani auf das Buch von Pater Lombardi zu sprechen und bezeichnete es als ‹inopportun›. Es sei lobenswert, wenn man sich um das Konzil kümmere, aber nur unter der Voraussetzung, dass dies mit der nötigen Vorsicht und Zurückhaltung geschehe und dass man sich bewusst bleibe, dass die Hierarchie die Verantwortung trage. […]Nun weiss die katholische Nachrichtenagentur KNA zu berichten, dass Pater Lombardi sich dem negativen Urteil des ‹Osservatore Romano› über sein Buch und die darin enthaltenen Vorschläge für eine Reform der Kurie unterworfen habe.»(NZZ, 31. Januar 1962: Vor dem Vatikanischen Konzil. Der Vorstoss von Pater Lombardi; ufw)
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